Selbst befriedigen, wenn ihr uns habt?

Immer zum Wochenende: Mädchen fragen Jungs fragen Mädchen. Weil manches kapiert man einfach nicht, bei denen.
fabian-fuchs

Die Mädchenfrage

Neulich war ich bei Freunden in der WG zum Essen eingeladen. Wie immer: mehrere Biere und Weine wurden getrunken, ein Gesprächsthema ergibt das nächste und plötzlich diskutierten wir heftig diese Frage: Darf man sich weiter selbst befriedigen, auch wenn man einen Partner hat? Meine Freundin Sandra meinte, es würde ihr überhaupt nichts ausmachen, wenn sich ihr Freund selbst befriedigen würde. Sie wäre weder beleidigt, noch würde sie sich fragen, ob sexuell zwischen ihnen vielleicht irgendwas nicht so optimal laufen würde. Mein Freund Matze war dagegen der Meinung, dass man sich nicht selbst befriedigen sollte, wenn man eine Freundin hat. Aber nicht etwa aus moralischen Bedenken. Er findet, seine Freundin hat das Recht darauf, dass nur sie in den Genuss seiner Potenz kommt. Wenn er diese für seine Freundin aufspart, dann sei der Sex länger, intensiver und toller. Da frage ich mich: Ist das wirklich so? Gibt es bei euch so etwas wie einen „Libido-Topf“, der über die Zeit anschwillt und sich dann irgendwann um so kraftvoller und länger entlädt, je voller er war? Und wie steht es überhaupt mit Selbstbefriedigung in der Beziehung? caroline-vonlowtzow Die Jungsantwort

Du hast ja wirklich einen beneidenswert humanistischen Freundeskreis. Der eine sorgt sich um das maximal pralle Sexerlebnis seiner Freundin und die andere gesteht ihrem Freund neidlos alle Solofreuden zu. Ich wage mal zu behaupten, dass das nicht immer so easy ist. Gerade die Frage, ob man in einer festen Beziehung selbst befriedigt, dürfte unsouveränen Pärchen doch einiges Kopfzerbrechen bereiten. Von „Warum brauchst du das?“ über „An wen denkst du dabei?“ reichen die Fragen, auf die es nur komische Antworten gibt - vor allem wenn man ein Junge ist. Unsere Selbstbefriedigung gilt ja gemeinhin als leicht durchschaubarer und banaler Akt temporärer Triebbewältigung. Mädchenselbstbefriedigung dagegen wird genau wie der Mädchenorgasmus eher in Richtung träumerisches Gesamtkunstwerk und sinnliches Happening verklärt. Deswegen fürchten sich Jungsköpfe unterbewusst auch immer vor dem Satz „Du Schatz, anders kann ich leider nicht kommen, ich kenne meinen Körper nun mal selber am besten.“ - und zwar nicht wegen der Verwendung des Wortes „Schatz“. Was könnte man schließlich dagegen einwenden? Mädchenlust gilt als geschütztes Pflänzchen, für dessen Erhalt und Gedeihen alles getan werden muss. Der Jungsorgasmus ist dagegen das Unkraut im Garten der Geschlechtlichkeiten, für dessen eigenmächtige Herbeiführung in einer festen Beziehung eigentlich gar nichts spricht, so fleckig und unappetitlich ist das Bild vom gemeinen Onanisten. Dabei, liebe Mädchen, ist auch uns so eine zünftige Selbstbefriedigung zur rechten Zeit durchaus eine wonnige Alternative zum Sex und eben nicht nur Notprogramm – insofern hat deine Freundin Sandra das schon sehr gut kapiert. Was die Matze-Meinung anbelangt, so halte ich sie für einigermaßen abenteuerlich - und recht subjektiv. Weder sind mir Mädchen bekannt, die anhand der produzierten Ejakulatmenge die Qualität des Sex abmessen, noch scheint mir die Taktik des Aufsparens sonderlich funktional: Bei Matze, dem fleißigen Sammelbienchen, staut sich ja nicht nur der Samen, sondern auch Lust auf, die dann, äh, um so schneller herausmöchte, ihr versteht. Schließlich gilt es manchem Geschlechtsgenossen sogar ganz entgegengesetzt als probate Taktik, vor dem intimen Zusammentreffen schon mal eigenhändig für Entspannung zu sorgen. Damit das Date nicht gewissen Voreiligkeiten geopfert sondern zum langanhaltenden sinnlichen Happening wird. Ich glaube deswegen, Matze hat schon ein paar Potenzprobleme und muss schon etwas länger warten, bis das Libido-Töpfchen voll ist – für gesunde Jungspunde kein Thema.

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