Die Mädchenfrage

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Also: Ich färbe mir dir Haare — gebe es allerdings nicht immer zu. Zuhause ist noch mehr Tarnzeug: Der Push-up, der die Brust größer, der Absatz, der das Bein länger, und die Hose, die den Po knackiger macht. Wir Mädchen haben meist eine Menge Equipment in der Trickkiste: Schminktiegel und -tuben, getönte Tagescremes, Abdeckstifte, von Wimpern- oder Augenbrauen-Färbereien ganz zu schweigen. Das ist alles nicht gelogen, sondern nur modifiziert. Und hat auch nix mit getunten Solariumbräuten zu tun. Es sind kleine Dinge, mit denen jedes Mädchen ein bisschen trickst. Da wird an der Jeansnaht gezerrt, bis sie das Hüftgold glatt streicht oder das Oberteilchen gewählt, das immer zufällig von den schönen Schultern rutscht. Wir wissen mittlerweile genau, wo unsere Schokoladenseiten stecken und wie man die anderen etwas retuschiert. Ganz deutlich zeigen wir diese Schokiseiten, wenn eine Kamera in der Nähe ist. Als kleiner Test: durchforstet mal eure Fotosammlung nach Mädels mit dem immer selben Fotoblick. Denn so sehen wir gut aus, haben wir uns gemerkt. Zum Beispiel mit der Hand dort, wo sonst ein Doppelkinnansatz wartet oder mit dem Lächeln, das die viel gelobten Augen strahlen lässt, aber den gemeinen Eckzahn versteckt. Während sich also Bridget Jones stellvertretend für uns in die berühmte Bauch-weg-Unterhose zwängt, springt ihr nach dem Aufstehen einfach in die Jeans und seht fantastisch aus. Glaub’ ich im Leben nicht. Seid ihr wirklich so verdammt relaxt? Ich vermute, ihr seid eher ’ne Art Designer-Vintage-Jeans: Lässig aber mit teurem System. Sind eure Chucks also naturgemäß independent-durchgetreten oder stapft ihr vor deren ersten Einsatz mehrere Runden durch den Vorgarten? Habt ihr auch eure Tricks und Kniffe? Raus damit, am besten jetzt! P.S.: Ich färbe mir natürlich nur Strähnen und eigentlich ist es auch genau mein Sommerblond. Jungsantwort auf der nächsten Seite!


Die Jungsantwort

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Liebes gefälschtes Mädchen, es ist ja eigentlich so: Ein Großteil unserer Andersartigkeit von euch besteht doch darin, dass wir relativ unverfälscht und roh auftreten und eben so sind, wie wir sind. Der Gedanke etwas vorzuspielen, nur um sympathisch oder attraktiv zu sein, hat sich erst in allerjüngster Vergangenheit in unsere Erbinformation geschlichen und führte dann gleich in Sackgassen wie die Metrosexualität. Bis dahin galt mit gewissen Einschränkungen der Satz, mit dem mich mein Opa durch die Pubertät gelotst hat: „Alles was beim Mann schöner ist als beim Affen, ist Luxus.“ Naja. Aber wirklich: Wir kriegen noch lange nicht so viele Stil-Zwänge vorgedruckt wie ihr – das ist zwar keine neue These, aber sie stimmt. Allein, dass seit meiner frühen Adoleszenz Brad Pitt als Status Quo des Mannseins gehandelt wird, zeigt die relative Überschaubarkeit unserer Vorbilder. Der wird mit Bauch genauso geliebt wie mit Bart, in ollen Shirts genauso wie im Anzug, so richtig zum Tricksen verleitet uns das also nicht. Dazu sind die Richtlinien einfach noch nicht streng genug: Wenn uns kein Bart wächst, haben wir eben keinen, wenn uns dauernd einer wächst, rasieren wir ihn halt oder lassen ihn stehen. Wenn wir recht dünne Schlackse sind und wie ein Kinderhemd daherkommen, werden wir eben Lads und gründen Bands und sind so topchick oder wir werden Computerfreaks und dann ist uns eh alles egal (bis auf ein paar Zahlen). Einen Bauch und dicke Schenkel kriegen wir erstmal nicht so schnell wie ihr und wenn, spielen wir dann gleich öfter Fußball oder rennen bis uns die Aorta platzt – so kommen wir mindestens noch bis 32 ganz gut hin. Augenringe, schorfige Hände und Falten, fettiger Haaransatz und mittlere Pickel sind uns eh egal – und die Länge unserer Beine auch. Und auf Fotos machen wir immer Grimassen. Ihr seht, irgendwie ist das also bei uns nicht so dringend. Wir schummeln dafür bei anderen Dingen, bei denen ihr euch auf eure Intuition verlassen könnt, wir aber größere Versagensängste pflegen. Zum Beispiel: Bevor ihr zu Besuch kommt, legen wir interessante Magazine neben unser Bett, in denen wir noch nie gelesen haben und mehrere aufgeschlagene Bücher, darunter einen Klassiker (gerne: Heine), einen aktuellen Feuilletonkracher und ein total niedliches Kinderbuch (Pooh der Bär oder so). Dann könnt ihr gucken und denken, dass wir toll sind. Und wir müssen nicht so viel reden. Wenn ihr uns nicht beachtet, brechen wir uns den Arm oder ritzen uns mit so einem gezackten Army-Messer ins Bein, damit ihr uns bemitleidet (und verbindet). Wenn wir euch ein Lied beim DJ wünschen sollen, uns aber nicht trauen, sagen wir: „Ne, mit dem hat sich mein Bruder mal geprügelt, wenn der mich sieht, holt der sofort die Polizei.“ Wenn wir euch im Kino küssen wollen, tun wir so, als ob wir sehr gähnen müssten und legen dabei den Arm um euch (aber den Trick kennt ihr ja schon, oder?). Wir kaufen viele Sampler – dann können wir euch Mixkassetten machen mit ganz unterschiedlichen Bands und simulieren so eine gigantische Plattensammlung. Haben dann aber große Angst, dass ihr diesen Sampler auch besitzen könntet. P.S. Das mit den Turnschuhen verstehe ich auch nicht, aber es ist wirklich immer sofort so, dass sie abgelatscht sind und gut aussehen. Vielleicht ist da unsere Grundgrobheit einmal von Vorteil. fabian-fuchs