Grand Wizard Theodore und die Gangster

Die besten DJs erzählen von ihren schlimmsten Nächten
jonathan-fischer

Meinen schlimmsten DJ-Abend hatte ich 1981 in der Bronx: Ich war damals 16 Jahre alt, galt als Pionier der Scratch-Technik und trieb meine Mutter mit den ständigen Witschi-witschi-Übungen auf den Plattenspielern beinahe in den Wahnsinn. Ein Jahr bevor der Film „Wildstyle“ meinen Namen ganz groß rausbrachte, durfte ich im Executive Playhouse in der Bronx auflegen. Kool Herc hatte dort schon Parties gegeben. Der Club hatte einen guten Namen. Und ich wollte meine Chance nutzen. Also lud ich all meine High School Kumpels und meine damalige Flamme ein, um zu demonstrieren, dass ich meinen Künstlernamen zu Recht trug: Grand Wizard. Großer Zauberer.

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Illustration: Julia Schubert

Um 11 Uhr war der Laden zum Bersten voll – und all die Scratch-Kunststücke, die meine Mutter so nervten, brachten den Dancefloor in kürzester Zeit zum Sieden. Witschi-witschi... Kurz vor Mitternacht plötzlich erschreckte Rufe von der Tür her, die Bewegung auf der Tanzfläche erstirbt und drei Männer schreiten mit Pistolen im Anschlag durch den Laden. Blitzschnell ducke ich mich unter die Plattenspieler. Verstecke hastig meine schweren Silberketten - während die drei Gangster die anderen Gäste rüde an die Wand dirigieren. Glück im Unglück, dass sie mich nicht unter der DJ-Kanzel entdecken. Dann höre ich Schüsse. Auf der Türschwelle bleibt einer der Gangster blutend zurück, beim Verlassen des Ladens von einem Wachmann erschossen. Die anderen beiden aber konnten entkommen - mit einer Trainingstasche voller Geldbörsen und Schmuck. Den Wertgegenständen meiner High School Kumpels! Ich fühlte mich elend. Am Boden zerstört. Immerhin waren die meisten nur auf meine Einladung hin gekommen – wie sollte ich das jemals wieder gut machen? Witschi-witschi hin oder her: Jetzt halfen auch meine Scratchkünste nicht mehr... Am schlimmsten hatte es das von mir angebetete Mädchen getroffen: Die Gangster hatten ihren 250-Dollar Pelzmantel mitgenommen. Für einen Teenager eine Menge Geld. Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Ein paar Kumpels gingen in den nächsten Tagen mit mir Spenden sammeln. Die Brieftaschen waren unwiederbringlich verloren – aber zumindest für einen neuen Pelzmantel reichte es. Foto: jonathan-fischer

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