Mies-aufgelegt: DJ Premier - Vom Strechlimo-Promi zum Tramper

Die besten DJs erzählen von ihren schlimmsten Nächten. Heute: Christopher Martin aka DJ Premier, ein Teil des Hiphop-Duos Gang Starr
jonathan-fischer

Meine schlimmste Nacht als DJ habe ich letzte Woche in Bergen, Norwegen, erlebt. Die Veranstalter holten mich am Flughafen mit einer Stretch-Limousine ab, die war mit Bar und allen Kinkerlitzchen ausgestattet und mir wurden auf dem Weg zum Hotel laufend Champagner-Drinks und Lachsschnittchen serviert: Cool, dachte ich. Sind wirklich nette Jungs hier.

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Illustration: Julia Schubert

Sie chauffierten uns anschließend direkt zum Club, die Show war ausverkauft und ich war bester Laune: Mixte Hiphop-Klassiker und Selbstproduziertes von De La Soul über NAS bis Gang Starr. Gab drei Stunden lang alles, was ich geben konnte. Um fünf Uhr früh dampfte der Laden wie eine Sauna, meine Klamotten waren bis auf die Unterwäsche durchgeschwitzt. Als ich endlich meine DJ-Koffer packte, freute ich mich auf eine Dusche und ein paar Stunden Schlaf im nahe gelegenen Hotel, bevor mein Flieger ging. Doch wie sollte ich mit meinem ganzen Gepäck dorthin kommen? Von der Stretchlimo war plötzlich keine Rede mehr. Wir sollten uns ein Taxi anhalten, hieß es. Und: Man hätte uns eine Pizza ins Hotel bestellt. Erst Champagner, jetzt Pizza. Mir schwante Übles. Vor dem Club wartete schon eine Reihe von zwanzig Besuchern auf die nächste Droschke. Es schneite. Und ich mit meinem durchnässten T-Shirt war Nummer einundzwanzig. Niemand dachte daran, mir den Vortritt zu lassen oder etwas für mich zu organisieren. Schließlich erklärte mir ein Taxifahrer frank und frei, ich solle es vergessen: Wegen den 500 Meter bis zu meinem Hotel rentiere sich keine Fahrt. Ich begann, Bergen zu verfluchen: Erst Stretchlimo-Promi jetzt lästiger Tramper! Die kalte Nässe kroch mir bereits in die Wäsche: Morgen würde ich mit Fieber im Bett liegen und meine DJ-Auftritte in Deutschland absagen müssen. Genauso gut hätte man mich in Badehose am Nordpol absetzen können. Wütend ging ich zum Veranstalter zurück: Wie ich seiner Meinung nach denn mit meinen Koffern zum Hotel kommen sollte? Der Typ saß nur da, zuckte mit den Achseln, ja er kenne das Taxifahrerproblem, aber er habe vorher nicht daran gedacht, das sei schließlich seine erste Veranstaltung überhaupt... Er hatte die Kasse gemacht. Was kümmerte ihn der Rest? Ich musste ziemlich deutlich werden, bis er endlich zum Telefonhörer griff. Eine Stunde später stand dann endlich ein Mietauto vor der Tür. Und im Hotelzimmer wartete eine kalte Pizza auf mich. Foto: myspace.com

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