Mies aufgelegt. Heute: DJ Laufi und der Türsteher

Die besten DJs erzählen von ihren schlimmsten Nächten. Diesmal kommt der Star des Abends nicht mal in den Club rein.
jonathan-fischer

Der übelste Zwischenfall meiner DJ-Karriere? Das muss wohl 1998 im Münchner Ultraschall gewesen sein. Ich galt als einziger Kassetten-Discjockey Deutschlands – ein Ruf, der weniger auf Snobismus beruhte, denn auf Sparsamkeit. Wenn Kollegen ihre Plattenkisten für hunderte von Euros aufstockten, dann machte ich mir lieber die Mühe, einzelne Lieblingsstücke auf Magnetband zu ziehen und vor dem Auflegen entsprechend herzuspulen. Mit der Zeit hatte ich Übung darin. Und wenn das Medium Kassette auch als total veraltet belächelt wurde – der Sound klang doch um einiges wärmer als jede CD. Das hatte auch Upstart, der Betreiber von Münchens renommiertestem Technoclub bei einem meiner Stüberl-Abende bemerkt und mich ins Ultraschall eingeladen. Er sagte, er könnte mir ein Doppelkassettendeck ans Mischpult anschließen.

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Illustration: Julia Schubert

Mein Arbeitsmaterial – hunderte sorgsam aufgespulte Techno-Pretiosen, ein wenig Punk von Gang Of Four, und Johnny Cash für den Abschluss – würde ich selbst heranschaffen. Mit je einem Flohmarktkoffer in der Hand kam ich an den Einlass des Ultraschall. „Was bist denn du für einer?“ Der Türsteher guckte misstrauisch; machte keine Anstalten, mir die Tür aufzuhalten; stellte sich vielmehr mit verschränkten Armen in den Weg. Als ob er einen Vertreter abwimmeln müsse, jemanden, der sich in sein Revier einzuschleichen beabsichtige, um die Gäste des Clubs mit Seifenproben, Scherenschleifen und Suppentopfkratzern zu belästigen. - „Nein, nein, ich bin als DJ gebucht“. - „Als Deejaaaaay?“ Mit meinen verbeulten Reisetornistern musste ich wohl tatsächlich einem dieser Trödelhändler ähneln, die jeden Samstag auf dem Parkplatz vor dem Club ihre Flohmarkt-Tapeziertische aufbauten. „Was ist dann in deinen Koffern drin?“ Der Ampelmann des Nachtlebens nahm seine Aufgabe ernst. Er wusste, wie ein ordentlicher DJ-Koffer aussah. Quadratisch, gepolstert, im LP-Format. Und auf die Tricks von Handelsreisenden und sonstigem Gesindel würde er nicht reinfallen. Umständlich legte ich den Koffer auf den Boden, öffnete das Schloß und präsentierte ihm meine Sammlung – hunderte ordentlich gestapelter Chromdioxid-Kassetten. Der Türsteher zog die Augenbrauen hoch. Wackelte ungläubig mit dem Kopf. „Willst du mich verarschen?“ Eher würde er einen Stockbesoffenen, einen Nackten oder eine Horde Viertklässler einlassen, als jemanden, der ihn auf diese Weise vorführte. Meine Rettung kam in Person des Club-Betreibers. „Hey, da ist ja unser Kassetten-DJ, willst du ihm nicht die Tür aufhalten?“ Ich kam mir plötzlich sehr sehr alt vor . . .

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