Mies aufgelegt. Heute: DJ Shahrokh und ein Auftritt zum Kotzen

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Mein schlimmster DJ-Gig? War wohl 2004 im Wiener Volksgarten. Ich hatte am selben Abend schon im benachbarten Moulin Rouge Club aufgelegt, aber das Handtaschen-Fräulein-Publikum dort ließ sich von meiner eklektischen Mischung aus Electro und House nicht wirklich begeistern.

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Illustration: Julia Schubert

Ab 5 Uhr morgens sollte ich dann die After-Hour im Volksgarten bespielen: Ein Freiluft-Club, in dem sich an lauen Sommernächten selbst zu dieser Zeit noch große Menschentrauben drängten. Ich war schon müde. Aber die Euphorie der Tänzer riss mich noch mal mit. Zumal ich endlich aufdrehen konnte: Mein selbstproduziertes Stück „Phunk Communication“ auf DJ Sneaks „Keep On Grooving“ auf Daft Punks „Rollin’ And Scratchin“.... Hände wirbelten in der Luft. Es roch nach Adrenalin. Das reinste DJ-Glück. Ich hatte gerade das Zwölf-Minuten-Stück „Global Communication“ von Deep Dish aufgelegt, als mir eine reizende Dame ihren Joint anbot. Ich nahm einen Zug, noch einen und einen dritten – und fühlte schlagartig Übelkeit aus der Magengrube aufsteigen. Zusammen mit geschätzten acht Red Bull Vodka wohl genau das Falsche. Ein plötzliches Würgen. Ich kann mich kaum beherrschen. Aber wohin bloß zum Kotzen? Auf die Toilette würde ich es nicht mehr rechtzeitig schaffen. Nirgendwo ein Eimer, eine Kiste. In meiner Verzweiflung krieche ich unter das mit schwarzem Mollton abgeklebte Podest, auf dem sich Plattenspieler und Mixer befanden. Rolle mich hundeelend in eine dunkle Ecke. Würge und spucke. Und bin schließlich ganz und gar weg. Was dann geschah, weiß ich nur aus Erzählungen: Das 12-Minuten Stück läuft in der Rille aus. Die Tänzer starrten auf das verwaiste DJ-Pult. Ratlosigkeit im Club. Während ein Ersatz-DJ herbeigerufen wird, lässt der Geschäftsführer auf den Toiletten und im Garten nach mir suchen. Man vermutet einen Unfall: Welcher Discjockey würde seinen Plattenkoffer freiwillig einfach so offen stehen lassen? Kontrollgänge des Personals durch alle Kammern und Winkel des Geländes. Auch niemand der Gäste will mich gesehen haben. Bis ich um 9 Uhr früh, also drei Stunden später, unter dem DJ-Pult hervorkrieche: Käsebleich, vom Schlaf gezeichnet, verquält in die Runde schauend. Gelächter auf der Tanzfläche. Zwei Angestellte des Clubs müssen mich stützen. Nein, bescheide ich dem besorgten Geschäftsführer, „toller Laden, tolle Leute“, nur leider beim Cocktail-Mix vergriffen. Es blieb bis heute der letzte Joint vorm Plattenspieler...

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