Mies aufgelegt. Heute DJ Tonka und die Strumpfsockenparty in Kasachstan

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Mein merkwürdigster DJ-Abend? Definitiv vor zwei Jahren in Kasachstan. Das fing schon mit dem Anflug auf Almaty an. Weil es in der kasachischen Hauptstadt einen Meter geschneit hatte, mussten wir auf einen 1000 Kilometer entfernten Flughafen ausweichen. Dort wartete eine Limousine mit Blaulicht auf mich und DJ Kid, den Tour-DJ von 50 Cent: Wir beide waren eingeladen worden, die Geburtstagsparty für den 14-jährigen Sohn des Bürgermeisters von Almaty zu schmeißen. Geld spielte dabei offensichtlich keine Rolle. Eher die CD-Sammlung des Juniors. Und da hatte wunderlicherweise eine DJ-Tonka-Scheibe neben 50 Cent hingefunden.

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Illustration: Julia Schubert

In Almaty dann die nächste Überraschung: Wir spielten in keiner Diskothek. Sondern in einem Restaurant. Der Parkplatz davor voller Jeeps, in denen die Chauffeure die Motoren laufen ließen – damit man jederzeit im warmen Auto wieder wegfahren kann. Am Eingang wurden wir gebeten, die Schuhe auszuziehen. Ob wir uns im Schneidersitz dort hinten in eine Ecke bequemen würden? Und außerdem: bitte nicht die Mädels anreden – es wäre hier alles streng privat! Ummmpf! Immerhin konnten wir von unserem Sitzplatz beobachten, wie immer mehr Gäste eintrudelten, alle strumpfsockig und mit einem riesigen Blumenstrauß in der Hand. Zwischen ihnen das Geburtstagskind: Ein feister junger Mann mit hochgekrempeltem Ralph Lauren-Hemd und einer riesigen Diamant-besetzten Uhr ums Handgelenk. Nach dem Essen waren wir dran: Die eingeflogenen Dienstleister für den Disco-Part. Als Tanzfläche wurden einfach ein paar Tische freigeräumt, ein DJ-Pult stand am anderen Ende des Raums. Ich hatte die neuesten Promos dabei. Aber hatte hier jemand schon von H-Mans „Herzblut“ gehört? Meinen Versuch mit anspruchsvollem Tech-House zu punkten jedenfalls gab ich schnell auf. Ein Handzeichen mit der diamantbesetzten Uhr, und schon flitzte einer der Kellner zu uns: Hey, wir sollten Hits spielen. Irgendwas, was mal auf MTV gelaufen war. Zum Glück hatte ich ein paar der hierzulande populären Scheiben in der Kiste: Die aktuellen Hits von Bob Sinclair, Michael Jackson oder eben Dorfdisco-Kracher a la „I Like To Move It“. Jetzt machten sich die Freunde des Geburtstagskinds wortwörtlich auf die Socken. Sprangen zur Tanzfläche. Ließen ihre Hintern kreisen, während sie die Köpfe zusammensteckten. Aber was war das nur für eine Choreographie? Hatte da jemand MTV falsch verstanden? Oder handelte es sich um einen heimischen Traditions-Tanz? Endlich konnten wir die skurrile Formation im Halbdunkeln entziffern: Alle Tänzer hatten einen Schlauch im Mund – und drängelten sich um die Wasserpfeifen in der Mitte. Was für ein Anblick! Noch stundenlang bewunderten wir die unter einer Shisha-Wolke wackelnden Kasachen-Hintern. I like to move it, move it... „Das werde ich“, raunte mir DJ Kid zu, „Fifty für sein nächstes Video empfehlen“.

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