Mies aufgelegt. Heute kriegt DJ Sammy nackte Tatsachen auf den Teller

Hier erzählen DJs von ihren schlimmsten Nächten. Die beinhalten heute nackte Brüste und wüste Tätowierungen.
jonathan-fischer
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Illustration: Julia Schubert



Es ist ein gängiges Vorurteil, dass DJs schon von Berufs wegen bei Frauen leichtes Spiel hätten, ja manch einer vielleicht nur deshalb zum Plattenlegen kommt, um bei seinen nächtlichen Club-Auftritten die schönsten Mädchen im Handstreich zu erobern. Alles Blödsinn! Ich zumindest habe noch nie eine Frau im Zuge meiner Berufsausübung kennen gelernt, geschweige denn ein Groupie nach einem Gig abgeschleppt - das schwöre ich bei meiner kleinen Tochter! Und doch bekommt man als DJ immer wieder ein Tabledancer bloß mit Plattenspielern-Etikett aufgedrückt: Einer, der mit seinen Beats derart die Energien zwischen Männern und Frauen kanalisiert, und deren erotische Entladung in die Wege leitet, muss wohl selbst mit allen Wassern gewaschen sein. Das dachte wohl auch ein junges Mädchen, das bei einem Gig in Atlanta vor acht Jahren aufs DJ-Pult kletterte. Ich hatte gerade meinen Nummer-Eins-Hit Heaven in den Charts. Die Halle war überfüllt. Und die Sicherheitsleute offensichtlich so überfordert, dass sie im Chaos die Blondine nicht mehr abfangen konnten. Kaum war sie oben, lüftete sie schon ihr T-Shirt: DJ Sammy prangte es da quer über ihren Brüsten. D J  SAMMY. In riesigen Buchstaben. Und echt tätowiert. Die Halbnackte japste mir aufgeregt ins Ohr: Traum wird wahr, japs, japs, Sammy der Größte, japs, japs, auf ewig dein. Mir wurde schwindlig! Da hievte mich jemand unverhofft auf einen Sexgott-Sockel, eine zigtausendköpfige Gemeinde starrte uns an und ich hatte nicht mal eine passende Liturgie für diesen Moment: Einfach loslachen? Bussi Bussi? Oder ihr erklären, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt, wenn DJ Sammy von der Bildfläche verschwunden ist, und ihre großen Buchstaben womöglich nur noch als optisches Pfefferspray gegen Männerbekanntschaften taugten? Mir schoss der Schweiß aus allen Poren. Der nackte Busen, mein tätowierter Name, das euphorische Gekiekse in meinem Ohr... Etwas ähnlich Schockierendes hatte ich erst einmal erlebt: Als ich in meinem Stammclub Joy Palace in Arenal meinen Geburtstag feierte und der Betreiber mir als Überraschungsgeschenk eine nackte Frau zum DJ-Pult schickte. Sie hatte ein Rasiermesser mitgebracht, denn: Ich sollte ihr doch bitte den Intimbereich rasieren und das nicht nur vor DJ-Kollegen und Publikum, sondern auch in Anwesenheit meiner damaligen Ehefrau Loona! Diesmal aber schien das Ganze kein abgekartetes Spiel. Als die Sicherheitsleute die barbusige Namensanzeige nach fünfzehn Sekunden mit Gewalt vom DJ-Pult wegzogen, hatte ich den ganzen Abend noch ihr Kreischen im Ohr. Welchen Mann hätte das nicht durcheinander gebracht? Später landeten ihre Briefe bei meiner DJ-Agentur in Mallorca. Nein, ich durfte diesem jungen Mädchen keine falschen Illusionen machen: Ich beauftragte einen Angestellten, sie wie gewöhnliche Fanpost zu beantworten und ein T-Shirt beizulegen. Das konnte man zumindest leichter entsorgen...

Text: jonathan-fischer - Foto Cover: Maria Vaorin / photocase.com

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