Die Rechten versuchen, Begriffe neu zu besetzen

Deshalb hier wichtige Vokabeln kurz erklärt.

Identitär

Die Identitären propagieren eine klar definierbare kulturelle und ethnische Identität eines vermeintlich abgrenzbaren Volkes. Diese Identität gilt es nach ihrer Meinung zu schützen, da jede kulturelle oder ethnische Mischung gefährlich und schädlich für „das Volk“ ist. Als Erste nannte sich 2002 eine französische Gruppe „Bloc identitaire“ beziehungsweise „Génération Identitaire“, inzwischen gibt es viele identitäre Gruppen in Europa.

Nazi/Neonazi

Ursprünglich die Abkürzung für „Nationalsozialist“, also ideologisch überzeugter Anhänger von Adolf Hitler, wird „Nazi“ heute oft gleichbedeutend mit „rechtsextrem“ gebraucht. Der „Neonazi“ ist ein das Dritte Reich rückblickend verherrlichender Mensch. Identitäre und Neue Rechte wehren sich heftig gegen diesen Begriff.

Völkisch

Das rassistische Konzept des völkischen Nationalismus, entstanden im Deutschen Reich gegen Ende des 19. Jahrhunderts, bekam seine extrem negative und antisemitische Bedeutung im Dritten Reich. Das Zentralorgan der NSDAP hieß „Völkischer Beobachter“, der ins Extrem gesteigerte völkische Nationalismus der Nazis lieferte die Ideologie für einen beispiellosen Massenmord. Wer „völkisch“ denkt, geht von einer Hierarchie der Völker und Ethnien aus, die jeweils vor äußeren, schädlichen Einflüssen geschützt werden müssen.

Rechtsextrem (rechtsradikal)

Eine politische Einstellung oder Gruppierung gilt dann als „extrem“ oder „radikal“, wenn sie sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung wendet. Also wenn sie demokratische Institutionen – etwa das Grund­gesetz, das Parlament, aber auch die freie Presse – fundamental ablehnt. Dann ist sie ein Fall für den Verfassungsschutz, der seit den 1970ern nur noch die Begriffe „rechts-/linksextrem“ nutzt.

Rechtspopulistisch

„Populistisch“ werden politische Positionen genannt, die sich auf den vermeintlichen Willen des Volkes berufen. Populismus gibt es in vielen – linken wie rechten – Ausprägungen. Rechtspopulisten argumentieren, sie müssten ein wie auch immer definiertes „Volk“ schützen – vor der Politik und den von ihr geförderten äußeren Einflüssen wie beispielsweise Migration. Und machen diese zu Sündenböcken für alle möglichen Fehlentwicklungen.

Rechts

Das Begriffspaar „rechts“ und „links“ meint im politischen Spektrum zwei verschiedene Prämissen oder auch Welt- und Menschenbilder. Während die „Rechten“ eher an einen zu bewahrenden Zustand glauben, suchen die „Linken“ nach der Verbesserung durch Veränderung. Für die Rechten ist eine Gesellschaft ein zu schützendes, am rechten Rand auch aggressiv zu verteidigendes Gebilde, für die Linken ein zu gestaltendes Projekt.

fk

Erstellt mit Hilfe von Prof. Dr. Hajo Funke, Professor für Politische Wissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin

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