Das ModeABC. Heute: H wie Hipster

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In den 50er Jahren war das Wort „Hipster“ ursprünglich eine Bezeichnung für Jazzfans, die sich Dresscode, Soziolekt und Drogenkonsum bei bekannten Jazzmusikern abschauten und durch Präsenz im Nachtleben in den Dunstkreis ihrer Idole einzutauchen versuchten. Die Jack Kerouac bzw. Allen Ginsberg lesende Meute trug bevorzugt Baskenmütze zu schwarzer Kleidung und ließ selbst in der dunklen Bar die Sonnenbrille an. Seit Ende der 90er muss „Hipster“ nun wieder erneut als Sammelbegriff für um Distinktion und prätentiöse Lässigkeit bemühte junge Menschen herhalten. Sind heutige Hipster eine jugendliche Subkultur? Nein, sagt das kanadische Konsumkritikorgan Adbusters, Hipster sind lediglich eine modebewusste, nach Authenzität lechzende Zielgruppe der globalen Konsumgesellschaft: „Punks tragen ihre ramponierten Lumpen und nietenbesetzte Lederjacken mit Würde und Stolz auf ihren Einfallsreichtum, der dem rebellischen Selbstbewusstsein Ausdruck verleihen soll. B-Boys und B-Girls präsentieren jedem in Hörweite die Lautsprecher ihrer tiefer gelegten Autos. Aber es ist nahezu unmöglich auch nur einen einzigen zu finden, der sich selbst einen stolzen Hipster nennt. Es ist ein seltsames Selbstverständnis: Hipster leugnen unerbittlich ihre eigene Existenz, gleichzeitig tragen sie klar definierte Symbole, die sie als Teil einer Gruppe ausweisen.“ Jaja, die aufgewärmte alte Leier von der „Jugend von heute“. Aber es stimmt doch: Mittlerweile ist die felsenfeste Behauptung, keinerlei Trends zu befolgen (alle anderen natürlich schon), der größte Trend überhaupt. Wir stimmen also gerne in den Chor ein (Hipster-Bashing is the new Emo-Bashing) und da dies eine Modekolumne ist, hier eine Auflistung der am meisten mit Klischee beladenen modischen Erkennungsmerkmale der zeitgenössischen internationalen Hipsterarmee (vielleicht findest du dich darin wieder): - Das fingerbreite elastische Haarband. Es wird in die Stirn und kurz über den Ohren gezogen und hält die offenen schulterlangen Haare im Klammergriff zusammen, so dass die Frisurpartie über dem Haarband wie ein großer Pilz auf dem Kopf thront - Das als Lätzchen umgebundene quadratische Halstuch (als Alternative zu Palästinensertüchern, die sind ja out) - Schimmernde Leggins von American Apparel - Spitz zulaufende Sneaker (in Lackleder), vorzugsweise von Swear London - Schmale Segeltuchschuhe aus weißer Baumwolle. Früher im Neckermann-Katalog, jetzt im innenstädtischen Trendbedarf - Neuerdings auch Doc Martens (obwohl weder Goth, noch Punk, noch Skin) - Oder die Neuauflage der bunten Reebok-Hi-Tops aus den 80ern - Die schwarze Lederjacke mit Bündchen an Ärmel und Kragen - Wayfarer-Sonnenbrille, original von Ray-Ban oder gerne auch gefakt - Die Hornbrille ohne Sehstärke - Das karierte Flannelhemd von Papa - Opas Herrenhut (für Jungs und Mädchen) - Cheap Monday-Jeans, Acid-washed - Die blondierte Kurzhaar- Frise, bekannt als „The Agy“ - Die schlauchförmige Schlumpfmütze aus Strick oder Jersey, die lose über den Schädel gestülpt wird, so dass der überschüssige Mützenteil zipfelig am Hinterkopf baumelt Zum Thema „Keiner will’s gewesen sein“: Der US-Videokanal Black 20 hat eine sehr amüsante Straßenumfrage in der New Yorker Hipsterhochburg Williamsburg gemacht. Are you a hipster? Fuck, no! Hereinspaziert:

Text: xifan-yang - Illustration: Katharina Bitzl

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