Das ModeABC. Heute: I wie Ikone

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Was ist ein It-Girl? Ein Mädchen mit dem gewissen „Etwas“, das ständig in den Medien auftaucht. Was ist eine Stilikone? Ein Mädchen mit dem gewissen „Etwas“, das ständig in den Medien auftaucht, vor allem in Modemagazinen, wo sie auf Fotos ein Schwätzchen mit entweder Karl Lagerfeld oder YSL-Designer Stefano Pilati hält. In den 60ern war das zum Beispiel Audrey Hepburn, die jede freie Minute im Atelier von Couturier Hubert de Givenchy verbrachte. Die Modevorbilder der 70er? Factory-Girl Edie Sedgwick und Schauspielerin Jane Birkin. In den 80ern war Modeikone schließlich mit genau einem Namen synonym - Madonna. Heute wird in der Yellow-Press die Bezeichnung Stilikone nicht nur für jedes It-Girl verbraten, das eine Balenciaga-Tasche in der Armbeuge baumeln hat, Madonna könnte auch aus einem anderen Grund kaum mehr als Ikone durchgehen: Sie läuft in ihrer Freizeit in ausgeleierten Jogginghosen rum. Das mag in Ordnung gewesen sein, als ein Prominenter noch nicht 24/7 von lästigen Paparazzi verfolgt wurde. Heute gilt allerdings: Wer eine Stilikone sein will, geht nie ungestylt aus dem Haus. Wenn Kate Moss das Haus verlässt, steht am nächsten Tag in der InTouch, von welcher Marke die Schuhe sind, die sie gestern getragen hat. Trend-Roboter Victoria Beckham trägt immer 15cm hohe Mörderheels, selbst wenn sie nur kurz eine Besorgung für ihre Kinder machen muss. Hat Katie Holmes schlabberige Boyfriend-Jeans an, fragt sich gleich die halbe Welt, ob sie sich sich von Tom ausgeliehen hat. Und kauft sie nach.

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In der Soziologie erklärt man Trends als gesellschaftliches Phänomen unter anderem mit dem Konzept der Imitation. „Die Mode genügt dem Bedürfnis nach sozialer Anlehnung, sofern sie Nachahmung ist“, heißt es etwa bei Georg Simmel. In vergangenen Jahrhunderten hat man das vor allem am königlichen Hof beobachten können: Jedes neue Königsgewand wurde zuerst von Höflingen kopiert und verbreitete sich dann als neue Mode weiter in untere Schichten der Bevölkerung. Dieses Phänomen, das „Trickle Down“-Effekt genannt wird, ist heute aktueller denn je. Noch nie war das mediale Interesse an der Kaiserinnen neue Kleider so groß wie jetzt. Denn was früher der Adel war, ist heute die A-Prominenz. Schauspieler, Musiker und „It“-Menschen sind die Blaublüter unserer Zeit. Berühmtheit ist nicht mehr nur an Leistung gekoppelt, sondern in großem Maße an Geburt und Außenrepräsentation. Wer was wann wo trägt, ist bei der aktuellen Schwemme von Paparazzi-Bildern das Unmittelbarste, was Normalo-Menschen von Prominenten sehen wollen. Noch mehr als die zahllosen Celebrity Style-Magazine schlagen natürlich die Stars selbst am meisten Profit daraus. Am einfachsten, in dem sie selbst unter die Designer gehen ihren jeweiligen „Signature-Style“ so zielgruppengerecht wie möglich unters Volk bringen. Wo früher das obligatorische Parfum unter eigenem Namen schon getan hat, muss es für Promis mittlerweile gleich eine gesamte Modekollektion sein. Kate Moss „entwirft“ eine Modelinie bei Topshop, ihre Rivalin Sienna Miller betreibt zusammen mit ihrer Schwester das Label „Twenty8Twelve“, die Kollektion von „OC“-Star Rachel Bilson heißt “Edie Rose for DKNY Jeans”, Indie-It-Girl Chloé Sevigny hat eine Linie bei dem New Yorker Concept-Store „Open Ceremony“. Prominent zu sein ist heute gleichbedeutend damit, ein Mischunternehmen und personalisierte Lifestyle-Marke zu verkörpern – kaum jemand hat das so gut verstanden wie Mary-Kate und Ashley Olsen. Mittlerweile verkaufen die 22jährigen Zwillingsmillionärinnen unter ihrem Namen nicht mehr nur pinke Teenie-Klamotten und Bubblegum-Kosmetik. Die Klamotten ihres Labels “The Row” hängen im New Yorker Luxuskaufhaus Barney’s, viele andere Promimädchen werden oft in “Elizabeth & James”, eine Olsen-Nebenlinie fotografiert. Letzte Woche veröffentlichten M-K und Ashley einen kiloschwerer Coffeetable-Buch mit dem Titel „Influence“. In dem Buch interviewen die Olsens ihre persönliche Idole wie Fotograf Terry Richardson oder Designerin Margherita Missoni und erläutern, wer und was sie zu dem gemacht hat, was sie mittlerweile sind: Globale Trendsetter. Lange Zeit waren Stars willkommene Werbebotschafter für Luxusprodukte. Neu ist allerdings, dass sie direkte Konkurrenten von Designern geworden sind. Victoria Beckham ließ sich letztes Jahr von Starfotograf Jürgen Teller für eine Marc Jacobs-Kampagne ablichten. In diesem Herbst debütierte sie selbst als Designerin im Bryant Park auf der New Yorker Fashion Week. Aber so ein Jobwechsel kann auch gute Nebenauswirkungen haben: Sie hat immerhin angekündigt, nie wieder singen oder schauspielern zu wollen.

Text: xifan-yang - Foto: ap, afp, dpa, thecobrasnake.com

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