Das ModeABC. Zum Feiertag: C wie COMME des GARÇONS

In dieser Rubrik deklinieren wir einmal pro Woche die Welt der Mode durch. Diesmal stellen wir das japanische Modelabel „COMME des GARÇONS“ vor, dessen Kleider ab November in den Schaufenster des Moderiesen H&M hängen werden.
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Lagerfeld, Stella McCartney, Viktor & Rolf, Roberto Cavalli und jetzt Rei Kawakubo: An den Ständern in den H&M-Shops hängt bald wieder eine Designer-Kollektion. Offiziell ist noch nicht bekannt, wie die Kleidung des japanischen Haute-Couture-Labels "COMME des GARÇONS" aussehen wird. Allerdings ist das eigentlich noch geheime Lookbook online schon in vielen Modeblogs aufgetaucht. Und die Gerüchte werden dadurch nicht weniger: Ein Kleid für 450 Euro? Die Kollektion wird nur in vier Shops verkauft? Ein Parfüm soll es auch geben? Am 8. November wird alles aufgeklärt und die Kollektion offiziell vorgestellt.

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Illustration: Julia Schubert

Rei Kawakubo, Chefdesignerin und Gründerin von COMME des GARÇONS, gilt als Visionärin und damit als eine der wichtigsten Modedesignerinnen und –designern der Gegenwart. Immer direkt am Zeitgeist, oft selbst dem voraus, stellt die Japanerin durch androgyne Schnitte in dunklen Töne den Sexismus der heutigen Gesellschaft und die übermäßige Verwendung von Farbe in Frage. In früheren Kollektionen hat sie die weibliche Silhouette mit wucherndem Stoff überzeichnet oder Kleidungsstücke auf links gedreht. Aus den nun sichtbaren Nähten wurde Dekoration. Den androgynen Look überspitzte sie mit Männerschuhen, weiten Männerhosen und Männersakkos. Die immer wortkarge Kawakubo beschreibt ihre Mode knapp mit: "Sie revolutioniert."

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Illustration: Julia Schubert

Tragbar? Als die 66-Jährige in die Schule kam, stand Japan noch unter amerikanischer Militärherrschaft. Nach ihrem Literatur-Studium an der Keio-Universität begann sie als Stylistin in der Werbeabteilung eines Chemiekonzerns. Ihr Label COMME des GARÇONS gründete sie 1969. Nähen konnte Kawakubo allerdings nicht. Sie stelle eine Schneiderin ein, der sie Anweisungen gab. Doch der Funken zündete erst zwölf Jahre später, als Kawakubo auf der Pariser Fashion Week die Branche schockierte mit Löcher-Pullis, wie von Motten zerfressen, und Models, die in Kartoffelsack-förmige Kutten gehüllt und ungeschminkt waren. Modejournalisten und Designer sprachen entsetzt vom "post-atomaren Fetzenlook". Andere faszinierte, dass Kawakubos Kleider auftraten, als seien sie ein Kunstwerk. Ihre Schau war ein Angriff auf die oberflächliche Vorstellung, Mode habe nur etwas mit Schönheit und Erotik zu tun. Dass die Presse ihre grau-schwarzen Kutten mit Schlagbegriffen wie "Hiroshima Chic" verspotte, kommentierte sie nie. Deswegen hielten viele die Meldung, COMME des GARÇONS arbeite nun mit H&M zusammen, für einen Witz. Denn auch wenn Rei Kawakubo mittlerweile kein Kopfnicken, sondern Anerkennung erntet, fragen sogar schmerzfreie, abgebrühte Modekritiker, die längst alles gesehen haben, bei jeder Schau nach der Tragbarkeit ihrer unkonventionellen Klamotten. Die H&M-Kollektion hingegen sieht durchaus straßentauglich aus. Klar, nicht für jeden, und manche Stücke werden wohl auch nur der modeoffensten Fashionista gefallen und vor allem stehen, aber mit den meisten Sachen kann sich auch Max Mustermann anfreunden, denn auch Herrensachen sollen an den Kleiderstangen hängen und selbst für Kinder gibt es zwei, drei Teile.

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Illustration: Julia Schubert

Tragbar! Spannend, ob enthusiastische Modefans mit strahlenden Augen und bepackten Armen durch den Laden hetzen, und sich, wie schon bei H&Ms letzten Design-Kollektionen von Lagerfeld und Cavalli, auch vor den Umkleidekabinen in der Kinderabteilung endlose Schlangen bilden werden. Doch bevor die Kollektion nach Europa kommt, wird die Kleidung erstmal in Kawakubos Heimatland Japan während der Eröffnung des zweiten H&M-Shops in Tokio gezeigt. Mal sehen, wie die modefreundlichen Japaner auf die Kleiderkunst-Kunstkleider reagieren werden. Nächste Woche: D wie Dos & Don'ts

Text: julia-finger - Screenshots: www.lesmads.de

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