„Ich habe Angst, vorm Schumann's meinen Spritz zu verschütten“

Ein CSU-Politiker fordert Münchner auf, ihre „Angsträume“ zu melden. Bittesehr...
Aus der jetzt-Redaktion
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Auf dieser Webseite sollen Münchner Orte melden, an denen sie sich fürchten. Foto: Screenshot

„Sicherheit? Ja, bitte“, steht in großen Lettern auf der Webseite, und dann: „NEU: Angstraum-Melder“.

Darunter fordert Michael Kuffer, CSU-Stadtrat und Kandidat für den Bundestag, Bürger auf, ihm ihre Angst-Orte zu melden. Ein bisschen wundert uns das – immerhin verkündete der Münchner Polizeipräsident vor wenigen Tagen erst stolz und mit Statistik unterfüttert, dass München wieder mal als sicherste Großstadt Deutschlands abgeschnitten hat.

Deshalb haben wir einen exklusiven Blick in die bislang streng geheimen Meldungen geworfen, die die Münchner Bürger vor Angst schlotternd beim Angstraum-Melder eingereicht haben:

  • „Mein Angst-Ort ist der herausstehende Pflasterstein vor der Schumann's Tagesbar, da hab ich immer Angst, dass ich stolpere und meinen Aperol Spritz verschütte.“ Gerlinde, 53, Ehegattin aus Starnberg

  • „Die Tiefgarage in der Allianz-Arena ist mein Angstraum. Da brauchst du immer mindestens ‘ne halbe Stunde, bis du nach dem Spiel wieder draußen bist. Und irgendwie krieg ich dann auch immer so Panik, dass ich mit meinem SUV an der Decke anstoße.“ Paul, 36, Immobilienmakler aus Gmund am Tegernsee
  • „Ich habe immer ein mulmiges Gefühl, wenn ich aus meinem neuen Loft in den Glockenbach-Suiten über die Straße muss, weil ich abends gerne beim Kiosk noch einen Piccolo kaufen will. An diesem Kiosk stehen immer so komische Menschen an. Die trinken Bier. Sooo prollig! Die sind bestimmt auch gefährlich.“ Karin, 41, Unternehmensberaterin aus München (seit acht Monaten, ursprünglich Bottrop)
  • „Ich hab letzten Sommer an der Eisbachwelle angefangen zu surfen, und da sollen ja so fiese Locals sein, die einen da nicht haben wollen und wegschicken und voll gemein sind.“ Steve, 19, FSJler aus Ismaning
  • „Ich fürchte mich immer, wenn ich die Isar überqueren muss. Ich bin im Münchner Osten geboren und aufgewachsen und habe da nichts zu suchen. Das riechen die Bewohner der Maxvorstadt auch sofort, dass man nicht zu ihnen gehört.“ Frauke, 35, Stoffladenbesitzerin aus Haidhausen
  • „Am meisten Angst hab ich in München, wenn ich zwischen Grünwald und Harlaching an der Isar mit meinem Wauzi spazieren gehe. Da sind so viele Mountainbiker! Und so rabiat, wie die da durch das Unterholz preschen, wird das bestimmt nicht mehr lange dauern, bis sich einer was Ernsthaftes tut oder den Wauzi oder mich verletzt.“ Christel, 58, Hausfrau aus Harlaching
  • „Wenn ich am Asam-Gymnasium vorbei muss und da ist gerade große Pause, habe ich immer ein komisches Gefühl. Wegen dieser Jugendlichen mit den komischen Ohrringen, die das Ohrläppchen so dehnen, Sie wissen schon. Die sehen immer so aus, als hätten sie finstere Absichten.“ Max, 41, Unternehmer
  • „Ich finde, wir bräuchten Überwachungskameras auf allen Spielplätzen. Neulich hatein Dreijähriger  dem Otto sein Schäufelchen weggenommen.“ Jessy, 32, Marketing-Managerin (in Elternzeit), aus der Maxvorstadt.
  • „Im Sport-Schuster sind die Verkäufer immer so hochnäsig, wenn man nicht genau weiß, welche Socken zu welcher Sportart passen. Da krieg ich direkt Angstgefühle, wenn ich da rein muss. Aber zum Scheck würde ich NIE gehen, das ist einfach ein Assi-Laden!“ Marc, 32, Webdesigner, aus Bad Tölz
  • „Am Kiosk am Sendlinger Tor ist mir schon mal falsch rausgegeben worden. Und als ich es zwei Stunden später bemerkt habe und mich beschwert habe, meinte der Verkäufer nur: da könnte ja jeder kommen und hat sich umgedreht. Ich hab mich total hilflos gefühlt!“ Daniela, 29, Studentin aus Passau
  • „Ganz klar: die Ecke am Marienplatz, wo immer die Rikschafahrer rumlungern. Da is es immer so eng, und Fußgänger und Radler und die Rikschas – das reinste Chaos, da trau ich mich nicht mehr hin.“ Wolfgang, 74, Rentner, aus dem Westend
  • „Ich bekomme regelrechte Panikattacken, wenn eine Rolltreppe kaputt ist – soll ich dann etwa einen Fremden bitten, meinen Louis-Vuitton-Koffer zu tragen?“ Amalia-Sophie, 25, BWL-Studentin aus Bogenhausen
  • „Neulich im Hundefeinkostladen in der Au wollte ich Kalbsfilet für meine französische Dogge kaufen. Zuhause habe ich mir das dann aber genauer durchgelesen und erkannt: Da ist erwachsenes Rind drin! Nie wieder mute ich sowas meinem Frenchie zu!“ Rüdiger, 36, Hundebesitzer aus dem Glockenbachviertel
  • „Neulich musste ich mal mit der S-Bahn in die Innenstadt fahren, weil ich meiner Schwester den Q7 geliehen habe und mein Mann mit dem Cayenne in die Arbeit gefahren war. Ich wusste ja gar nicht, unter welchen schrecklichen Bedingungen manche Menschen in dieser schönen Stadt leben müssen! Von Solln bis nach Mittersendling musste ich neben einem Mann stehen, der stark nach Schweiß roch. Und am Stachus stieg ein Straßenmusikant ein, der mich um Geld angebettelt hat, dabei habe ich grundsätzlich kein Bargeld bei mir. Nie wieder, ich sag’s Ihnen! Alleine der Gedanke daran, öffentlichen Verkehrsmittel nutzen zu müssen, ist für mich absolut re-traumatisierend.“ Franziska, 52, Kunst-Beraterin aus Solln
  • „Am Hauptbahnhof soll es ja so Rotten von Alkoholikern geben, hab ich mal in der tz gelesen. Da bekomme ich schon Angst, weil die so riechen.“ Hans, 68, Rentner aus Milbertshofen
  • „Allein beim Gedanken ans KVR graust es mich, nie wieder gehe ich dort hin! Ich habe direkt im Empfang meine goldene Kreditkarte auf den Tisch gelegt und bekam trotzdem keinen Service. Unerträgliche Zustände!“ Rainer, 52, Immobilieninvestor aus Pullach
  • „Bei dem Starbucks am Odeonsplatz haben sie meinen Namen mal mit einem K statt mit einem C geschrieben. Was fällt denen ein, dass sie denken ich hätte so einen 0815 Namen. Ich bin doch nicht wie die ganzen anderen Menschen namens Konstantin, ich bin besonders. Da geh ich nie mehr hin, mein Vater hat seinen Anwalt schon verständigt.“ Constantin Justus, 25, BWL Student
  • „Definitiv der Käfer in der Prinzregentenstraße! Da scheint echt noch nie jemand auch nur eine Gehirnzelle daran verschwendet zu haben, wie ich meinem Drillingskinderwagen da durchkommen soll?“ Bettina, 45 und erstmals Mutter.

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