Airbnb befeuert den Nahostkonflikt

Mit Unterkünften in umstrittenen israelischen Siedlungen.
Von Matthias Fiedler
Foto: Reuters

Mashiachs Angebot klingt verlockend: „Fantastische Unterkunft, großes Schlafzimmer, gemütliches Wohnzimmer, Küche, Panoramablick auf Wüstenlandschaften und Berge, nur 15 Autominuten von Jerusalem entfernt.“ Das alles vermietet Mashiach für 45 Euro pro Nacht an Urlauber, die in Israel nach einer Ferienbleibe suchen. Seine Annonce steht auf Airbnb.

Was Mashiach nicht schreibt: Sein feilgebotenes Ferienobjekt liegt in einer israelischen Siedlung im Westjordanland – die von großen Teilen der internationalen Gemeinschaft als illegal eingestuft wird. Denn das Gebiet beanspruchen die Palästinenser für sich.

Airbnb, so scheint es, schert sich bislang wenig darum, dass inserierte Wohnungen im Westjordanland auf rechtlich wackligem Boden stehen. Wichtig ist dem kalifornischen Unternehmen offenbar nur, dass es von Gastgeber und Gast eine Gebühr einstreicht.

Diese Gleichgültigkeit hat Airbnb jetzt heftige Kritik eingebracht. „Mit dieser Praxis bewirbt das Portal gestohlenes Land“, schimpfte der Botschafter der palästinensischen Regierung, Husam Zomlot, und sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Das ist illegal und kriminell.“ Saeb Erekat, ein ranghoher palästinensischer Vertreter, schrieb sogar einen Brief an Airbnb-Gründer Brian Chesky, und forderte ihn auf, die Zusammenarbeit mit den Siedlern zu beenden, berichtet das US-Magazin Atlantic

Airbnb äußerte sich zu den Vorwürfen bislang nur zugeknöpft. „In jenen Ländern, in denen wir tätig sind, halten wir uns an Gesetze und rechtliche Vorschriften. Verdächtigen Angeboten gehen wir nach“, erklärte Unternehmenssprecher Peter Huntingford gegenüber dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera. Für die Richtigkeit der Angaben in Inseraten übernehme das Unternehmen keine Haftung. Diese Verantwortung liege in den Händen der Gastgeber.  

"Palästinenser sollen aufhören zu jammern"

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte in einem kürzlich veröffentlichten Bericht hingegen, dass Unternehmen, die in den israelischen Siedlungen Geschäfte machen, „von einem ungesetzlichen und missbräuchlichen System“ profitierten, das die Rechte der Palästinenser verletze.

 

Der Sprecher des israelischen Außenministeriums reagierte auf diese Vorwürfe so: Die Palästinenser sollten aufhören zu jammern und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, sagte er. Außerdem sollten sie Israel nicht dafür verantwortlich machen, dass ihre Wirtschaft stagniert.   

Seit 2009 ist die Zahl der jüdischen Siedler im Westjordanland um 23 Prozent auf insgesamt über 400.000 Menschen gestiegen. Der Völkerrechtler und frühere UN-Berichterstatter John Dugard verurteilt das Engagement von Airbnb im Westjordanland deshalb scharf: „Unterkünfte in jüdischen Siedlungen unterstützen den Bau neuer Siedlungen“, sagte er dem Guardian: „In einem EU-Staat könnte man Airbnb theoretisch verklagen, weil es Geld mit illegal errichteten Häusern verdient.“

 

Viele Airbnb-Anbieter wie Mashiach verstehen die Aufregung um ihre angebotenen Unterkünfte nicht. Für sie sind die jüdischen Siedlungen im Westjordanland, begründet durch die biblische Geschichte, ein Teil Israels, wo ihrem Verständnis nach israelische Gesetze gelten. Und wenn es der israelischen Tageszeitung Haaretz zufolge bereits 13.000 Airbnb-Angebote in Israel gibt, warum sollen sie in einer israelischen Siedlung ihr Haus dann nicht vermieten dürfen? 

 

Das israelische Tourismusministerium stärkt Airbnb ebenfalls indirekt den Rücken. Jüdische Siedlungen im Westjordanland würden weiterhin als Teil Israels betrachtet, erklärte es gegenüber dem Nachrichtensender France24 News. Das Ministerium empfiehlt Touristen, die in Israel Urlaub machen wollen, sich auch im Westjordanland nach Unterkünften umzuschauen. 

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