Firma vermietet ethnische Minderheiten

Ist natürlich nur ein Witz. Aber ein sehr ernster.
Von Franziska Schwarz
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Illustration: Julia Schubert

Das Traurige an diesem Webauftritt ist, dass man ja tatsächlich für Sekundenbruchteile glauben könnte, er sei ernst: Unter Rent-A-minority vermietet eine Agentur stundenweise Angehörige von Gruppen, die in großen Unternehmen unterrepräsentiert sind – in emotional vorsortiert. Es gibt den "intellektuellen Schwarzen" oder die "fröhliche Farbige". "Lachende Muslima" wäre auch da. Das Angebot solle sich an Firmen richten, die solche Menschen kaum oder gar nicht in ihrem Personal haben – aber auf öffentlichen Events so tun wollen, als ob. Die Gäste, so heißt es auf der Seite weiter, sollen dafür wiederum gut entlohnt werden. 

Ist nur Satire, was Arwa Mahdawi damit aufgesetzt hat. Ziemlich gute allerdings. Sie wolle nicht mehr akzeptieren, dass Arbeitgeber im Jahr 2016 bei der Jobvergabe noch immer wegen Alter, Rasse, Geschlecht oder Religion diskriminieren, sagt die Journalistin, die für eine New Yorker Werbeagentur arbeitet und regelmäßig über die Tech-und Werbebranche schreibt. Und die Gesichter vieler Firmen, vor allem in der Tech-Branche, seien eben oft weiß, männlich und mittleren Alters.

Mahdawi erklärt auf Rent-A-minority außerdem: "Statt die institutionelle Ungleichheit anzugehen, wird Vielfalt der Belegschaft oft nur (vorübergehend) inszeniert." Firmen achteten stark darauf, dass auf ihren Webauftritten ein akzeptabler Anteil an Frauen und Nicht-Weißen zu sehen sei; in den Vorständen sähe es dagegen ganz anders aus. Komplett macht das Ganze ein gefälschtes Zitat von US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump: "When I'm President, I'll shut this site down."

Hättest du das gerne noch mit Zahlen unterfüttert? Gerne: Hier kannst du nachlesen, warum die völlig vorurteilslosen Personaler des Silicon Valley leider doch nur eine schöne Vorstellung sind, und hier, wie es um den Anteil an Frauen, Hispanics und Schwarzen in der Tech-Branche steht. David McCandless hat sich für das Jahr 2014 mal an einer Visualisierung versucht und sich dabei nach eigenen Angaben auf Firmen- und Presseberichte gestützt. Hier die Grafik und hier die genauen Zahlen.

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