Lasst uns über Schwänze reden

Sagt Claudius Holler, Ex-Pirat mit Hodenkrebs.

Klar, ohne Witze geht es nicht. Claudius Holler beginnt sein fünfminütiges Youtube-Video mit einer Aufzählung mehr oder weniger gebräuchlicher Synonyme für Penis. Dann aber wird er ernst.

Dazu muss man wissen: Claudius Holler hat Hodenkrebs. Vor kurzem wurde er ziemlich bekannt, weil er über Facebook einen Spendenaufruf startete, um seine Behandlung zu finanzieren. Er hat nämlich keine Krankenversicherung. Das Video funktionierte. Es ging viral, Claudius bekam das Geld, das er brauchte – und verwies alle weiteren Spendewilligen auf die vielen anderen Menschen ohne Krankenversicherung und die Lücken im Gesundheitssystem, die zulassen, dass es diese Menschen überhaupt gibt. 

Ende vergangener Woche legte der Ex-Spitzenkandidat der Hamburger Piratenpartei dann in einem weiteren Video also seinen Schwanz auf den Tisch. Beziehungsweise einen Gummidildo. Denn er findet, Männer sind Schlappschwänze, was das Sprechen über ihre Schwänze angeht. Sie trauen sich nicht zu sagen, wenn etwas nicht stimmt, sondern wollen es aussitzen. Sie gehen erst zum Arzt, wenn es gar nicht mehr anders geht. Und dann ist oftmals schon ein Schaden angerichtet, der sehr viel schlimmer ist, als nötig gewesen wäre.

So war es auch in seinem Fall, erzählt Claudius. Ihm war sein Hund in die Weichteile gesprungen. Das tat weh, aber trotz Schmerzen wartete er mehr als eine Woche und ging erst zum Arzt, als es gar nicht mehr auszuhalten war. Bis dahin hatte sich etwas entzündet, die Blutzufuhr war wegen einer Verdrehung zu lange abgeschnitten, es drohte ein OP. Nur weil er zu lange gewartet hatte.

Und die Routine-Vorsorgeuntersuchung, die dann gemacht wurde, ergab: Diagnose Hodenkrebs.

Ohne den Angriff seines Hundes hätte es diese Vorsorgeuntersuchung nicht gegeben. Claudius hätte seine Krebsdiagnose viel später bekommen – und vermutlich viel schlechtere Chancen gehabt, wieder gesund zu werden.

Deshalb, so sagt er, sollten Männer ihre Scham überwinden. „Nicht erst zum Arzt gehen, wenn es schon anfängt zu eskalieren. Das macht die Sache schlimmer und im Zweifel wirklich drastisch.“ Auch, wer gar keine Probleme hat, solle sich untersuchen lassen. „Ich liege am Mittwoch unterm Messer und werde aufgeschnipppelt“, sagt Claudius zum Schluss. „Und ich hoffe, ich kann ein paar von euch, die einen Penis ihr Eigen nennen, dazu anstiften, einen Termin zu machen und sich durchchecken zu lassen.“

che 

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