CIA twittert Bin Ladens Tötung

Erkenntnisgewinn? Gleich null. Das liegt allerdings nicht am Medium.

Man hat das Foto, auch fünf Jahre nach der Tötung des damals meistgesuchten Mannes der Welt, immer noch sofort wieder vor Augen: der "Situation Room", Hillary Clinton, die sich ungläubig die Hand vor den Mund schlägt, Obama der hochkonzentriert auf den Bildschirm starrt. Es muss eine unglaubliche Anspannung im Raum gewesen sein, als die CIA Osama bin Laden am 2. Mai 2011 töten ließ.

Genau fünf jahre später versucht die CIA  "Operation Neptune's Spear" noch einmal aufleben zu lassen. Diesmal darf die ganz Welt dabei sein, wenn der Al-Qaida-Anführer zur Strecke gebracht wird – via Twitter: 

Unter dem Hashtag #UBLRaid postet der US-Auslandsgeheimdienst @CIA minutengenau, was in den Stunden vor und nach der Tötung passiert ist. Klingt spannend. Liest sich aber leider wie ein Protokoll und hat auch in etwa die gleiche emotionale Intensität. Hier zwei Auszüge:

"1:25 Uhr – @POTUS, DCIA Panetta, & JSOC Befehlshaber Admiral McRaven genehmigen die Durchführung der Operation in Abbottabad."

"3:39 Uhr – Osama bin Laden im dritten Stockwerk entdeckt und getötet"

Doch sehr trocken das Ganze also. Kein Mehrwert zu Wikipedia. Klar, könnte man sich jetzt fragen, ob sich die abgeschlossene Militäraktion überhaupt für Twitter eignet. Denn anders als bei Ereignissen, die tatsächlich in Echtzeit gepostet werden, wie etwa die Massenproteste während des arabischen Frühlings, ist das Resultat dem Leser hier ja schon bekannt. Kann nicht sehr aufregend werden, meint man. Aber eben das stimmt nicht:

Denn die Idee, historische Ereignisse über Twitter in Echtzeit nachzuerzählen und aufzuarbeiten, wurde schon deutlich spannender umgesetzt. Der britische Historiker Alwyn Collinson beispielsweise twittert seit 2011 unter @RealTimeWWII täglich zum Zweiten Weltkrieg, 72 Jahre später und auf den Tag genau. Im Gegensatz zur CIA lässt er dabei auch Augenzeugen zu Wort kommen und postet unzählige Originalaufnahmen, die dem Ganzen deutlich mehr Authentizität und vor allem Leben verleihen. 

Geheimhaltung hin oder her: Spätestens zum zehnjährigen Jubiläum der "Operation Neptune's Spear" wünschen wir uns daher von der CIA ein paar Details zu Dingen, die uns wirklich beschäftigen. Etwa einen Hinweis darauf, was genau den Blick von Brigadegeneral Marshall B. Webb fesselt, der als Einziger statt auf den Bildschirm auf seinen Laptop starrt. 

 

lmn