Dein Smartphone weiß, ob du depressiv bist

Eine App aus den USA soll helfen, Depressionen von Smartphone-Usern zu erkennen. Unter anderem soll dabei die Anzahl der Facebook-Freunde helfen.
jetzt-redaktion

In Deutschland kommen auf einen Psychiater bis zu 800 Patienten. Bis man einen Termin bekommt, bis etwa eine Depression diagnostiziert wird, kann es Monate dauern. Auf ein Smartphone dagegen kommt für gewöhnlich nur ein User. Wie praktisch, dass Forscher an der amerikanischen Northwestern University eine App entwickelt haben, die Depressionen frühzeitig erkennen soll: Purple Robot zeichnet das Verhalten des Smartphone-Nutzers auf und bemerkt Anzeichen für eine Erkrankung. 

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Illustration: Julia Schubert



Die Wissenschaftler um David C. Mohr, dem Leiter des Zentrums für verhaltenstherapeutische Technologien, werteten die Daten von 28 Teilnehmern aus, die zwei Wochen lang die App auf ihrem Handy installiert hatten. Die App sammelte unter anderem Informationen über die Anzahl der Facebook-Freunde und über die Gebrauchsdauer des Smartphones, außerdem wurde aufgezeichnet, an welchen Orten sich die Teilnehmer aufhielten. Ein Ansatzpunkt für die Auswertung war zum Beispiel, dass Personen, die sich meist nur zwischen Arbeit und Wohnung bewegen, das Haus sonst kaum verlassen und viel Zeit am Smartphone verbringen ohne zu telefonieren, wahrscheinlicher an Depressionen leiden als Menschen mit einem aktiven Sozialleben. 

Die gute Nachricht ist, dass Purple Robot mit einer Genauigkeit von 86,5 Prozent den mentalen Gesundheitszustands der Probanten berechnen kann. Die schlechte Nachricht  ist, dass selbst die Forscher dem Ergebnis noch nicht recht trauen: Die Teilnehmer schätzten sich zu Beginn der Studie nur selbst anhand eines Fragebogens ein, ein psychologisches Gutachten wurde nicht ausgestellt. Was genau die Teilnehmer mit dem Smartphone machten, erfasste die App  ebenfalls nicht. Außerdem war die Testgruppe zu klein, um eindeutige Ergebnisse zu liefern. Die Forscher wollen deshalb demnächst weitere Tests mit größeren Teilnehmerzahlen über einen längeren Zeitraum hinweg durchführen. 

Die Daten, die die App sammelt, müssen privat bleiben

Die Wissenschaftler der Northwestern Universität sind der Meinung, Purple Robot ebne den Weg für verhaltenstherapeutische Technologien. Wie genau sich die Forscher diese Technologien vorstellen, erklären sie aber nicht. Vielleicht wird das Smartphone dann vorschlagen, Kontakt XY auf einen Kaffee zu treffen oder spazieren zu gehen, wenn es bemerkt, dass der User zum einsamen Stubenhocker mutiert. 
Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden 350 Millionen Menschen weltweit an Depressionen. Ohne Behandlung begehen davon schätzungsweise jährlich etwa eine Million Selbstmord. Mehr als fünf Milliarden Menschen werden im Jahr 2025 jedoch ein Smartphone besitzen.

Apps wie Purple Robot könnten dann in verbesserter Form als Warnsystem funktionieren und den User auf eine mögliche Depression hinweisen. Allerdings müssten die Daten, die die App sammelt, ausreichend gesichert werden. Hätten Arbeitgeber, Versicherungsgesellschaften oder Banken Zugang zu den Informationen, könnte das unter Umständen gravierende Konsequenzen für die Nutzer haben. 

Magdalena Naporra 

Text: jetzt-redaktion - Foto: ap

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