Der "Früher war alles besser"-Effekt

Verhaltensforscher haben herausgefunden: Wer gerade nostalgisch gestimmt ist, gibt gerne Geld aus. Er teilt es aber auch lieber.
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Foto: complize / photocase.de

Nostalgie geht immer. Wenn man in der Kneipe mal kein Gesprächsthema mehr hat, einfach irgendeine alte Serie ansprechen oder eine Süßigkeit, die man früher immer gegessen hat. Kennen die anderen sicher auch und schon kommt man wieder ins Plaudern. Praktisch.

Nostalgie macht aber nicht nur guten Smalltalk. Nostalgie macht uns auch spendabel. Das haben Verhaltensforscher herausgefunden, die ihre Testpersonen in zwei Gruppen geteilt haben. Die eine davon wurden nostalgisch gestimmt, durch alte Werbungen oder indem die Teilnehmer einen Text über ein Ereignis in ihrer Vergangenheit schreiben mussten. 

Danach wurde überprüft, wie viel Geld sie ausgeben würden, für Bücher zum Beispiel, aber auch für Teureres wie etwa ein Haus oder ein Motorrad. Das Ergebnis: Wer gerade in Nostalgie schwelgte, der war bereit, mehr zu bezahlen. Außerdem wurde getestet, wie wichtig den Testpersonen Geld generell ist (den nostalgischen weniger wichtig als der Kontrollgruppe) und wie bereitwillig sie Geld mit anderen teilen (die nostalgischen eher als die Kontrollgruppe). "Ach, die gute alte Zeit... Und wo kann ich hier jetzt Geld ausgeben???"

 

Anscheinend sorgt Nostalgie dafür, dass wir uns mehr gönnen, macht uns aber auch sozialer und feinfühliger. Nostalgie lässt uns die harten materiellen Fakten vergessen und ein bisschen freundlicher, großzügiger und genießerischer werden. "Die Ergebnisse zeigen, dass Nostalgie das Verlangen nach Geld schwächt, weil sie die soziale Verbundenheit fördert", heißt es dazu in der Studie. Dass Nostalgie uns das Geld quasi aus der Tasche saugt, erklärt auch, warum sie so gerne in der Werbung und im Marketing eingesetzt wird. 90er-Partys gibt es in jeder Stadt, und der Brandt-Zwieback setzt auch beim neuen Design aufs alte Logo . Die Liste könnte man lange fortführen.

 

Der Nostalgie-Bonus funktioniert natürlich vor allem in Krisenzeiten wie der unsrigen gut, in denen man sich gerne in die Vergangenheit flüchtet, in der es scheinbar so viel kuscheliger zuging. Und wer sich gerade noch nicht so richtig anfällig für „Früher war alles besser” fühlt, dem sei gesagt, was die Experimente auch noch ergeben haben: Je älter wir werden, desto nostalgischer werden wir auch. In ein paar Jahren müssen wir also vielleicht etwas vorsichtiger sein, wenn in der Bar wieder mal jemand einen „Weißt du noch...”-Smalltalk anstimmt. Sonst sind wir am Ende des Abends pleite.

 

Text: Nadja Schlueter - Foto: complize / photocase.de

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