Eat, sleep, rape, repeat

Auf Musikfestivals wird geht so einiges, das zu Hause nicht geht: Durchsaufen, Durchfeiern, Durchdrehen. Aber mit einem T-Shirt rumlaufen, das Vergewaltigung anpreist: Das geht nach wie vor gar nicht.
jetzt-redaktion

Was Menschen auf Festivals so tragen, unterliegt ja normalerweise einem Sondercodex: bescheuert, bunt, schrill, zerfetzt. Und auch so verhält man sich dort in der Regel: bescheuert, bunt, schrill, ein bisschen zerfetzt. Und das ist okay. Was vielleicht daran liegt, dass die Menschen auf Musikfestivals in einer kleinen Seifenblase schweben, die so gar nichts mit Alltag zu tun hat.


Dass man diese Seifenblase auch mit einem lauten Knall zum Platzen bringen kann, zeigte das Foto eines Besuchers des Coachella-Festivals. Ein junger Mann trägt ein schwarzes Shirt mit der Aufschrift “Eat, Sleep, Rape, Repeat". Lächelt in die Kamera, macht ein Peace-Zeichen und ist sichtlich zufrieden mit sich und seiner Kleiderwahl. Der Aufdruck ist eine Anspielung an Fatboy Slim's Lied "Eat Sleep Rave Repeat." Geraved hat der Festivalgänger scheinbar genug, jetzt ist es Zeit für Vergewaltigung. Ziemlich lustig, findet er. Ziemlich daneben, findet die Welt.


Die diskutiert seitdem: Druckfehler? Photoshop? Nee, einfach nur ein Vollidiot, bestätigt Vice-Redakteur Jemayel Khawaja, der das Foto am Sonntag twitterte. Und so zog eine Shitstorm-Wolke über das kalifornische Festival. An etwa 90.000 Coachella-Besuchern trug der „Rapeshirtdouche“, wie er nun genannt wird, seine frauenfeindliche Botschaft vorbei. Doch erst auf Twitter entwickelte sich eine öffentliche Diskussion, die zeigt: „This is about more than a dumb shirt.“, wie Khawaja twitterte.


Es geht um „rape culture“, genauer: „rape culture“ auf Musikfestivals. Immer wieder kommt es dort zu Zwischenfällen, Gegrapsche und dumme Sprüche sind normal. Scheinbar suggeriert das Umfeld, in einer Seifenblase aus Alkohol, Musik und Drogen würde statt rave auch rape mal ganz locker durchgewinkt.

Dass er geschützt wird von einer Gruppe von Menschen, die in einer isolierten Spaßblase alles halb so ernst nehmen, hatte wohl auch der Mann im schwarzen Shirt erwartet. Dass sie das nicht tut, ist ein Zeichen. Dafür, dass auch an Orten, die mit Alltag nichts zu tun haben, Sexismus nicht alltäglich sein darf.

sina-pousset

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