Ein Totenkopf für die Kassette

In der Rubrik "Netzteil" stellen wir regelmäßig ein besonderes Produkt aus dem großen Wunderladen Internet vor. Heute: Kunst zum Thema "Home Taping is Dead".
dorothee-klee

Zuhause Kassetten aufnehmen? Das macht doch keiner mehr! Kassetten sind unzuverlässig, kurzlebig und längst überholt; von der Qualität ganz zu schweigen. MP3s hingegen können auf kleinen USB-Sticks, I-Pods oder per Mail von A nach B transportiert werden und man braucht keinen klobigen Kassettenrekorder (wer hat so was überhaupt noch?), um sie abzuspielen.

Wir könnten die Kassette also getrost aus unserem Gedächtnis streichen – wenn sie nicht plötzlich in herzzerreißenden Erinnerungen auftauchen würde: Die wöchentliche Chartssendung der Kindheit, die man höchst professionell auf Kassette mitschnitt. Die erste, aufwendige Compilation, die man dem Grundschulfreund oder der Grundschulfreundin zum Geburtstag schenkte. Der erste Liebeskummer der besten Freundin, die man erfolglos zu trösten versuchte, während Matthias Reim aus dem Kassettenrekorder „Verdammt, ich lieb dich“ brüllte.

Trotzdem: Das Zeitalter der Kassette und des Aufnehmens auf ebendiese ist endgültig vorbei. Und diese Weltansicht kann man jetzt auch nach außen tragen. Der Künstler Ali Gulec aus Istanbul hat das passende Motiv dazu auf den Markt gebracht: Er hat eine alte Kassette zerstört und sie unter künstlerischen Aspekten neu zusammengesetzt – in Form eines Totenkopfes. Dieses Motiv kann man sich im Bilderrahmen an die Wand hängen oder es als Aufdruck auf dem Pullover oder als Hülle fürs Smartphone mit sich herumtragen. Denn „Home Taping Is Dead“. Ob mit herzzerreißenden Erinnerungen oder ohne.

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Illustration: Julia Schubert



Text: dorothee-klee - Foto: Ali Gulec

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