Facebook aktiviert Safety-Check nach Anschlag in Nigeria

Am Wochenende stand Facebook noch in der Kritik, alle Ereignisse außerhalb der westlichen Welt zu ignorieren. Am Dienstagabend schwenkte das Unternehmen nun um.
jetzt-redaktion
Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Nach dem Bombenanschlag auf einem Marktplatz in Yola im Nordosten des Landes, bei dem 30 Menschen starben, haben sich Facebook-Nutzer aus der Umgebung als „sicher“ markieren können. Facebook aktivierte dafür seine Safety Check-Funktion. Damit reagierte das Unternehmen auf die Kritik aus den vergangenen Tagen. 

Safety Check sollte ursprünglich nur bei Naturkatastrophen zum Einsatz kommen. Doch während der Terroranschläge in Paris am vergangenen Freitag entschloss sich Facebook, die App für den Standort Paris zu aktivieren. Mit der gut gemeinten Aktion handelte sich das Unternehmen auch viel Ärger ein: Warum, fragten Nutzer (unter anderem Elie Farez, der Autor des viel geteilten Blog-Beitrags über die Schieflage der Anteilnahme für Terror-Opfer in Paris und Beirut), konnten die Pariser sich als sicher markieren – aber zum Beispiel niemand in Beirut während der Anschläge am Donnerstag? Man warf Facebook Einseitigkeit, Doppelmoral und eine zu starke Konzentration auf die westliche Welt vor.

Am Samstag reagierte Facebook mit einem Statement: Safety Check sei ein noch relativ neues Feature, das jetzt zum ersten Mal für ein anderes Ereignis als eine Naturkatastrophe eingesetzt wurde. Man habe sich während der Anschläge dafür entschieden, Safety Check zu aktivieren, da viele Nutzer sich ohnehin über Facebook austauschten. Grundsätzlich wolle man die App in Zukunft jedes Mal aktivieren, wann und wo immer sie nützlich sei.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagte aber, man müsse noch genaue Kriterien ausarbeiten, wann die App am nützlichsten sei, denn solche Anschläge seien „all too common“. Schon im Statement vom Samstag hieß es, dass die App zum Beispiel im Falle von Beirut eventuell nicht sinnvoll gewesen wäre, denn die Stadt gehöre „zu den Teilen der Welt, in denen Gewalt alltäglicher ist und in denen bedauerlich oft schreckliche Dinge passieren.“ Darum komme sie auch in Kriegsgebieten nicht zum Einsatz, weil es keinen klaren Endpunkt des Ereignisses gebe und man nie sicher sein könne, dass eine Person wirklich in Sicherheit sei.

Die Geschichte der Funktion: 2011 während des Erdbebens und des Tsunamis in Japan nutzten Überlebende aus dem Katastrophengebiet Facebook, um ihren Freunden mitzuteilen, dass es ihnen gut ging. Daraus entwickelte Facebook die Idee für Safety Check, das im Herbst 2014 vorgestellt wurde. Personen, die sich laut ihrem Facebook-Profil an von Naturkatastrophen betroffenen Orten aufhalten, werden seitdem aktiv dazu aufgefordert, ihren Status anzugeben: Indem sie „I am safe“ (oder „I am not in the area“) klicken, wird diese Information für alle Facebook-Freunde sichtbar. Ein unkomplizierter Weg, besorgte Menschen zu beruhigen, ohne hunderte Nachrichten schreiben oder beantworten zu müssen. Seit ihrem Start kam die App bereits fünf Mal zum Einsatz, das erste Mal nach dem Erdbeben in Nepal im Mai 2015.

Nadja Schlüter

  • teilen
  • schließen