Facebook schafft die Others-Inbox ab

... die was? Ein trauriger Abschied von einem der liebenswertesten Missverständnisse der Neuzeit.
jetzt-redaktion

Eigentlich ist es eine schöne Nachricht: Jeder Mensch mit einem Facebook-Account hegt einen kleinen Goldschatz, der jetzt noch gehoben werden kann! Der Goldschatz hat einen, zugegeben, sperrigen Namen, aber das macht die ganze Sache ja nur noch interessanter: Die "Others"-Inbox  - oder auf Deutsch auch der "Sonstige-Ordner". In diesem Ordner landen bei Facebook jene Nachrichten von Menschen, mit denen man nicht befreundet ist.

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Illustration: Julia Schubert


Die Kernidee: Vielleicht hat es einen Grund, dass man mit diesen Menschen bisher nicht befreundet war. Anstatt also im Postfach zugespammt zu werden, landen diese Nachrichten in einem Unterordner. Der Reiter ist hellgrau und leicht übersehbar, im Facebook-Messenger, also der Variante fürs Handy, ist er gar nicht vorhanden. Was in einer immer mobiler werdenden Welt natürlich dazu führt, dass viele Menschen ihre "Others"-Nachrichten noch nie angeschaut haben (eine Anweisung, wie man sie doch noch findet, gibt es hier). Dieser Zustand hat bereits zu einigen kuriosen Geschichten geführt: Nachdem ein Kolumnist der New York Times 2013 vom Others-Ordner berichtete (da existierte er bereits drei Jahre) drehte das Internet durch. Menschen erzählten dem Autor von verpassten Jobangeboten und anderen lebensverändernden Neuigkeiten, die sie einfach übersehen hatten. Dailymail titelte: "Enthüllt! Diese wichtigen Nachrichten hast du noch nie gesehen." Und Menschen erzählten traurigen Geschichten, wie sie ihren verlorenen Laptop nicht wiederbekamen, weil sie besagten Ordner nicht kannten. Erst kürzlich rief Buzzfeed dazu auf, die kuriosesten Nachrichten aus dem Others-Ordner zu teilen - vielleicht ahnten diese Füchse bereits, was nun folgt:

Gestern hat Facebook beschlossen, den "Others" Ordner abzuschaffen! Stattdessen wird es nun eine sogenannte "Message Request" geben, wenn Menschen, die man nicht kennt, einem schreiben - ähnlich also, wie bei einer Freundschaftsanfrage. Man könnte jetzt sagen: supersinnvoll. Und hätte damit recht. Aber ein bisschen traurig ist es auch. Denn irgendwie war die Others-Inbox der letzte Ort, in dem diese perfekt durchgestylte, facebookblaue Welt noch ein bisschen unberechenbar war.

In der unbekannte Inder einem Nachrichten wie: "It's my pleasure to be in contact with a beautiful lady. No doubt, you are one of the angels sent from heaven to mankind. Your picture attracts me and my heart will be glad to start a friendship with you" schrieben und Gesprächsversuche mit "Ich weiß, wir kennen uns gar nicht, aber..." begannen. In der Leser und jetzt-User einem Feedback zum letzten Artikel schickten oder dazu einluden, unbedingt auch mal über ihr Hofcafé in Südhessen zu berichten. In der aber auch mal die Nachricht steckte, dass jemand die vergangene Nacht geklaute Handtasche gefunden hat und man sie doch bitte unter folgender Adresse abholen könne. Und das Schöne an all diesen Dingen: Man konnte sie unerkannt lesen, ohne reagieren zu müssen. Denn die Ausrede "Sorry, das war in meinem Sonstige-Ordner", zog notfalls immer. Und jetzt also: Entscheidungszwang. Beim neuen Messenger-Request kann man nämlich, so sagt es zumindest die Pressemitteilung, "ignorieren", "lesen" oder "antworten" auswählen. Drei Optionen  - und keine davon ist "überrasche mich". Schade.

charlotte-haunhorst



Text: jetzt-redaktion - Foto: Screenshot

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