Frank Ocean über Orlando, Gay Pride und Gott

"Viele hassen uns."
Bild: AP/Jordan Strauss

Als sich Frank Ocean 2012 als bisexuell outete, tat er es auf Tumblr. Damals erschien gerade sein erstes, hochgelobtes und sehr erfolgreiches Soloalbum "Channel Orange". Seitdem hat er sich fast komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, seine Fans warten seit Jahren auf neue Musik von ihm. Gestern nun hat sich Frank Ocean wieder in einem Tumblr-Post geäußert.

Nicht, um sein neues Album zu promoten, sondern wieder, um etwas ganz Persönliches loszuwerden: um über das Massaker im Schwulenclub "Pulse" in Orlando nachzudenken und zum Nachdenken anzuregen. Über den Hass und die Gewalt, die Homosexuellen auf der ganzen Welt entgegengebracht wird und darüber, wie fast all diese Hassverbrechen im Namen Gottes geschehen. Wir haben versucht, seinen sehr poetischen Post für euch zu übersetzen:

"Ich habe in der Zeitung gelesen, dass meine Brüder mit verbundenen Augen und hinter dem Rücken gefesselten Händen von Hausdächern geworfen werden, weil sie die Scharia verletzt haben. Ich habe gehört, dass die Menge diese gefallenen Männer steinigt, wenn sie sich am Boden noch bewegen.

Ich habe gehört, das geschehe im Namen Gottes.

Ich habe gehört, wie auch mein Pfarrer über Gott gesprochen und dabei aus der Bibel zitiert hat. Wörter wie 'Abscheulichkeit' haben mich getroffen wie heiße Fettspritzer, als er den See aus Feuer beschrieb, in dem Gott mich sehen will.

Ich habe in den Nachrichten gehört, dass ein Verbrechen aus Hass Berge von Leichen auf einer Tanzfläche hinterlassen hat. Ich habe gehört, dass der Täter sich tot stellte zwischen all den Menschen, die er umgebracht hatte. Ich habe in den Nachrichten gehört, er war einer von uns.

Ich war sechs Jahre alt, als mein Vater unsere Transgender-Kellnerin eine Tunte nannte, während er mich aus dem Lokal rauszerrte und sagte, dass wir uns von dieser Person nicht bedienen lassen, weil sie dreckig sei. An diesem Nachmittag sah ich meinen Vater zum letzten Mal und hörte dieses Wort zum ersten Mal - zumindest glaube ich das, obwohl es mich nicht schockieren würde, wenn nicht.

Viele hassen uns und wünschen sich, wir würden nicht existieren. Viele sind darüber verärgert, dass wir heiraten wollen wie alle anderen oder die richtige Toilette benutzen wollen wie alle anderen. Viele finden nichts Falsches daran, dieselben alten Werte weiterzugeben, die jährlich tausende Kinder in suizidale Depression treiben.

Also sagen wir 'Pride' und lieben uns dafür, wer und was wir sind. Denn wer sonst wird es denn ernsthaft tun?

Ich habe diesen Traum, dass all diese Barbarei und all diese Vergehen gegen uns eine gleichwertige und gegensätzliche Reaktion auf etwas Schöneres ist, das in der Welt passiert, irgendwelche anschwellenden Wellen der Offenheit und Wachheit da draußen.

Im Vergleich dazu sieht die Realität grau aus, weder schwarz noch weiß, aber auch sehr freudlos. Wir sind alle Kinder Gottes, habe ich gehört. Ich habe meine Geschwister da rausgelassen und mit meinem Schöpfer direkt geredet und ich denke, er klingt ziemlich genauso wie ich. Wenn ich als ich selbst besser darin wäre, mich von meiner eigenen Geschichte zu distanzieren wie ich es, da ich nun mal ich bin, nie könnte. Ich möchte wissen, was andere hören. Auch wenn ich Angst davor habe, aber ich will es wissen was jeder hört, wenn er mit Gott spricht. Hören die Verrückten seine Stimme verzerrt? Hören die Indoktrinierten eine völlig andere Stimme?"

chwa

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