Larissa Martinez ist Trumps Albtraum

Denn sie ist illegal in den USA – und dennoch eine Vorzeigeschülerin mit Yale-Stipendium.

Man kann nur spekulieren, was Donald Trump sich gewünscht hat, als er gestern die Kerzen auf seinem Geburtstagskuchen ausgepustet hat (leider, interessant wäre es ja schon …). Was er sich aber garantiert nicht erhofft hat, ist die Abschlussrede von Larissa Martinez. Die Absolventin der McKinney Boyd Highschool in Texas ist eine Musterschülerin mit einem Yale-Stipendium in der Tasche  – und sie ist eine derjenigen, gegen die Trump hetzt. Sie ist nämlich illegal in den USA. Und gehört dennoch zur Elite des Landes.

In ihrer Highschool-Abschlussrede, die sie vergangene Woche gehalten hat, erzählt die 18-Jährige zunächst von den harten Umständen, unter denen sie aufgewachsen ist: Ihr Vater war Alkoholiker, ihre Mutter musste für das Überleben der Familie sorgen, Larissa kümmerte sich um die Erziehung ihrer jüngeren Schwester. Ihre Intelligenz, so sagt sie, sei aufgrund ihrer mexikanischen Herkunft oft angezweifelt worden. Für sie ein Grund, ihre Ausbildung noch ernster zu nehmen: Sie habe gewusst, dass ihr Erfolg der einzige Weg sein würde, ihrer Familie zu helfen.

Dann kommt ein Geständnis, das ihr sichtlich schwerfällt: "Nach all den Jahren habe ich nun den Mut, vor euch zu stehen und euch von meinem Kampf zu erzählen, den ich jeden Tag ausfechten musste. Ich bin einer der elf Millionen illegalen Einwanderer, die in den USA ein Schattendasein führen."

Warum sie das tut? "Ich habe mich dazu entschieden, heute vor euch zu stehen und euch dieses Geheimnisse anzuvertrauen", erklärt sie, "weil es vielleicht meine einzige Chance ist, zu zeigen, dass illegale Einwanderer auch einfach Menschen sind." Danach muss die aus Mexiko stammende Absolventin warten, bis sie mit ihrer Rede fortfahren kann – denn das Publikum reagiert mit Standing Ovations.

Shitstorm statt Standing Ovations

Wenn man Larissa Martinez' Auftritt sieht und den Applaus hört, könnte man meinen, dass niemand Trumps ausländerfeindliche Aussagen ernst nimmt. Jedoch kam das Outing einer anderen, mexikanischen Schülerin nicht so gut an. Die 17-jährige Mayte Lara gestand ebenfalls, dass sie bereits mehrere Jahre ohne Papiere in den USA lebt. Die Abschlussrednerin der David Crockett Highschool verriet ihren illegalen Status aber nicht live, sondern in einem Tweet. Und der wurde von der Online-Community mit einem Shitstorm quittiert. In den Kommentaren wurde ihr vorgeworfen, nur durch Privilegien gute Noten erreicht zu haben. Viele User forderten sie dazu auf, zurück nach Mexiko zu gehen.

Ihren Account hat Mayte mittlerweile deaktiviert. Gegenüber dem Nachrichtenportal Austin American-Statesman erklärte sie: "Ich zahle Steuern, ich habe eine Arbeits- und Studienerlaubnis und ich habe eine Sozialversicherungsnummer. Ich habe Anderen nur zeigen wollen, dass man alles erreichen kann, egal, welche Hindernisse sich einem in den Weg stellen." Selbst, wenn das die Mauer sein sollte, deren Bau sich Donald Trump wohl am meisten wünscht.

 

mew

 

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