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Bitte kein Koks bei der Arbeit. 

Keine Frage, das Berufsleben ist hart. Menschen, die trotzdem jeden morgen aufstehen und zur Arbeit gehen wollen, sollten eigentlich gefeiert werden. Doch die Jobanzeigen, die momentan kursieren, sprechen eine ganz andere Sprache. Erstes Gebot: knallharte Ehrlichkeit. Statt vorgefertigter Managerattribute wie „Flexibilität“ oder „Teamfähigkeit“ wollen Arbeitgeber in der Hauptstadt lieber wissen, dass du kein Soziopath bist, bei der Arbeit keine Drogen nimmst und noch drei gute Gründe zu Leben aufzählen kannst.

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„Scheißegal“ (Zitat) ist es ihnen, ob du DJ bist. Wichtig ist dein Interesse an kaltem, harten Geld. Schön!

So heißt es in einer Anzeige für zukünftige Millionäre/Teilzeit-Tellerwäscher: „Experienced and low bullshit diva stuff. We honestly dont give a shit if you are actually a DJ. We just need you to bust your ass washing dishes, and you will be given karma points and of course, cold hard cash. (...) send cv and three reasons for being alive."

Dieser sehr ernüchternde Einblick in die Arbeitswelt, der sich auch andernorts zu bestätigen scheint, ist gleichzeitig auch sehr entspannend. Statt für den Job weiter über den perfekten Winkel beim Bewerbungsfoto nachzudenken oder passende Euphemismen für die fehlende Berufskenntnis („Horizonterweiterung“) oder Kündigung („kreative Differenzen“) zu finden, können Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich zumindest bei Teilzeitjobs einfach mal ganz ehrlich gegenübertreten. Denn Ehrlichkeit, wusste schon Hunter S. Thompson, ist bei der Jobsuche das höchste Gut. Warum also beim nächsten Bewerbungsgespräch nicht mal das chronische Zuspätkommen, Kettenrauchen oder die Drogensucht erwähnen? Kann in der modernen Welt scheinbar nicht schaden. Denn die ehrliche Jobanzeige tut vielleicht ein bisschen weh, hat aber einen Vorteil: Man weiß, woran man ist.

Hier schon mal das zeitgemäße Bewerbungsschreiben zum Copy und Pasten:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich kann Deutsch und Englisch.
Zwischenmenschlicher Kontakt gelingt mir zumindest teilweise.
Ob ich DJ bin, geht keinen was an.
Ich liebe kaltes, hartes Geld.
Ich kokse nur zu Hause.

MfG
sina-pousset




Text: jetzt-redaktion - Foto: phototocase, themacman