Nie wieder neue Musik verpassen

Eine App trifft das Gefühl unserer Generation.
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Illustration: Julia Schubert

Es ist immer wieder dasselbe. Erst Begeisterung, dann Frust. Begeisterung darüber, diese eine Band entdeckt zu haben. Ihr Album immer und immer wieder zu hören. Und dann, ein paar Jahre später, der Frust, nicht gemerkt zu haben, dass sie längst wieder ein neues Album rausgebracht haben. Irgendwie hat man das verpasst.

Aber natürlich ist das nur logisch: Wer hat schon Zeit, sich durch die Homepages der vielen Bands da draußen zu klicken oder sämtliche Musikzeitschriften des Planeten zu wälzen?

Die Lösung soll eine neue App sein: „Record Bird“ verspricht seinen Usern, dass sie nie wieder eine Veröffentlichung verpassen werden. Egal, ob es eine Single oder ein Album ist, ob das Werk auf Vinyl oder digital rauskommt, und ob es in den USA oder in Deutschland erscheint. 

Nie wieder einen Musiktitel verpassen. Es ist dieses Versprechen, dass die App so reizvoll macht. Damit trifft das Startup den Nerv unserer Generation. Wir sind alle wahnsinnig verplant – im doppelten Sinn. Wir sind ständig überall und haben trotzdem Angst, etwas nicht mitzubekommen. Wir befürchten, dass der heiße Scheiß an uns vorbeizieht, und wir wissen: Wir werden nie den Überblick über unser Multi-Tasking-Leben haben. Aber die App könnte uns helfen, diesem Ziel ein Stückchen näher zu kommen.  

Ab heute kann man "Record Bird" auf der Homepage kostenlos nutzen. In ein paar Monaten gibt es die App auch zum Download. Die Anmeldung läuft über Facebook oder Spotify. Ganz automatisch übernimmt die App die Musiker, denen man folgt. Und es funktioniert: In einem Kalender sind die nächsten Releases eingetragen. Am 29. April zum Beispiel. Da bringt Samy Deluxe sein neues Album „Berühmte letzte Worte“ raus, als CD und Schallplatte. Und am 19. August veröffentlicht Benjamin Francis Leftwich „After the Rain“. Wer möchte, kann sich das Album gleich vorbestellen. Sonst schickt die App noch eine Erinnerung per Mail. 

Schon Wochen vorher wissen die User Bescheid. Das ist auch der Unterschied zu Spotify oder Apple Music. „Wir sind der erste Kanal, der alle Musikfans so bald wie möglich über alle Releases informiert“, sagt Gründer Andreas Mahringer. Die Informationen kommen direkt von den Musiklabels und Vertrieben. Vier Millionen Künstler behält das österreichische Startup im Auge. Ein riesiger Musik-Datenpool – von Bibi Blocksberg (Folge 118 kommt am 18. Juli heraus) bis zu US-Rapper Nas („Hip Hop Heroes Vol 1“ startet am 29. April). 

Es ist seltsam, dass erst jetzt ein Startup unsere Panik vor dem Verpassen erkannt hat. Bisher gibt es nur sehr wenige Apps, die diese Weckerfunktion übernehmen. Im Bereich der Musik ist da „Bandsintown“ aus Schweden. Die App entdeckt für uns Konzerte. Ähnlich funktioniert „Songkick“. Wer auf der Suche nach Festivals ist, sollte „Festival Finder“ installieren. Die neuesten Infos über die Episoden der Lieblingsserie haben „Series Guide“ oder „TV-Serie – Your shows manager“.  Der Klassiker sind natürlich Apps zu Kinostarts. „CineTrailer“ informiert aber auch über DVD-Erscheinungen. 

Noch in der Probephase ist „Musteus“, eine Suchmaschine für Lieblingsseiten im Internet. Die App benachrichtigt ihre User, sobald ein neuer Beitrag zu dem gesuchten Thema auf einer der Seiten erscheint. Im März soll sie auf den Markt kommen. Auch die Gründer von „Record Bird“ überlegen schon, auf welche Bereiche sie ihre App ausweiten könnten. „Aber in den nächsten Monaten müssen wir erstmal zeigen, dass wir effizient Musikfans anziehen“, sagt Andreas Mahringer. 

miu

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