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Demonstrantin lächelt den Rechten einfach ins Gesicht

Foto: Joe Giddens / AP

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Saffiyah Khan ist ein Brummie, auch wenn ihr Name so gar nicht danach klingt. Die Einwohner der englischen Industrie-Stadt Birmingham nennen sich gerne „Brummies“ und werden von anderen so genannt. Khan mit ihrer dunkleren Haut und den schwarzen Haaren entspricht aber eher nicht dem stereotypischen Bild vom klassischen Engländer.

Der Mann, dem Khan auf dem Foto oben gegenüber steht, dagegen schon. Ian Crossland, helle Haut, verlebtes Gesicht, Polohemd mit England-Flagge, ist Anführer der English Defence League (EDL). Die ist aus der Hooligan-Szene entstanden und gerichtlich als islamfeindlich und rechtsextrem klassifiziert worden. Am Wochenende hielt die EDL eine Demonstration in Birmingham ab. Und unter den Brummies regte sich Protest gegen die etwa 100 Rechten.

20 von ihnen hätten eine Hidschab tragende Frau bepöbelt, erzählte Khan dem Mirror. Die Polizei habe nichts getan, um die Frau zu beschützen – also habe Khan sich in der Pflicht gesehen, für sie einzutreten. Als sie sich einmischte, wandte die rechte Gruppe sich ihr zu, plötzlich stand sie vor dem wütenden Crossland. Und wurde zum Symbol des Widerstands, weil ein Fotograf genau den richtigen Moment erwischte, um die Szene abzulichten.

Da steht Khan mit ihrer Jeansjacke, die rechte Hand in der Hosentasche und einem Lachen im Gesicht. Völlig unbeeindruckt blickt sie Crossland in die Augen. „Ich habe mich nicht im geringsten gefürchtet“, sagt sie. Sie sei auch gar keine politische Aktivistin, habe keine Konfrontation gesucht. „Ich wollte kein Aufsehen erregen.“ Sondern nur mit ihren Freunden beobachten, was passiert. „Weil Muslime und Menschen anderer Hautfarbe oft beschimpft werden.“ Es sei auch gar nicht wirklich etwas passiert bei der Demo – bis die Frau mit dem Hidschab begann, „Rassisten“ in Richtung der EDL-Anhänger zu rufen.

Das Foto von Khan wurde in England tausendfach getwittert und gepostet. Weil sie dem rechten Hass so amüsiert, unbeeindruckt und verachtend entgegen tritt.

Khan ist nicht die erste, die für dieses Verhalten im Internet gefeiert wird:  

cover woman at a nazi demo borlange sweden dpa
Foto: David Lagerl / picture alliance / Expo

Da gibt es zum Beispiel die Schwedin Maria-Teresa Asplund, die am 1. Mai vergangenen Jahres in Borlänge an einer Demonstration gegen die Nazi-Organisation Nordiska motståndsrörelsen ("Nordische Widerstandsbewegung") teilnahm – und sich ihnen mit erhobener Faust in den Weg stellte. Den auf dem Foto von David Lagerlof festgehaltenen Moment beschrieb sie so: "Einer von denen starrte mich an und ich starrte zurück. Er sagte nichts und ich sagte nichts". Dann wurde sie von der Polizei zur Seite gedrängt.

Oder die US-Demonstrantin Leshia Evans, die sich im Juli 2016 auf einer Black-Lives-Matter-Kundgebung in Baton Rouge Polizisten in den Weg stellte. 

leshia evans
Foto: Jonathan Bachmann / AP

"Ich sah sie da, sah ihre felsenfeste Absicht, sich nicht wegzubewegen. Sie stand einfach da und zeigte so ihren Protest. Ich war sehr froh, so etwas festhalten zu können", sagte der Fotograf Jonathan Bachmann über den Moment, als er Evans fotografierte Buzzfeed zufolge.

 

In dieser Aussage dürfte auch der generelle Grund liegen, warum die Fotos der mutigen Frauen so viel Beachtung finden. Weil sie felsenfest überzeugt sind, sich zu wehren. Sie brauchen keine Kraftausdrücke, richten sich nicht in einer Gruppe gegen Minderheiten oder werden gewalttätig. Sie stehen einfach nur da und zeigen ihren Protest.

 

max

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