Wenn Waffen erzählen

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Theoretisch darf jeder, in den USA. Der Drugstore-Besitzer, die Nachbarin, der Student, die Lebenskünstlerin. Ihnen allen garantiert der zweite Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, dass sie eine Waffe tragen dürfen. Nach Ereignissen wie dem [link=http://www.sueddeutsche.de/thema/Amoklauf_von_Newtown" target="_blank">Amoklauf im Newtown oder dem Tod des deutschen Austauschschülers Diren D. in Montana werden die Stimmen der Waffengegner laut, doch am Ende setzen sich die Befürworter immer wieder durch. Eine Verschärfung des Waffengesetztes scheiterte zuletzt im April 2013.

Doch was würde passieren, wenn die Waffen sprechen könnten? Wenn sie ihren Besitzern – dem Studenten oder dem Drugstore-Besitzer – ihre Geschichte erzählen könnten? Davon, wie ein fünfjähriges Kind sie im Elternschlafzimmer fand und dann aus Versehen den neunjährigen Bruder erschoss? Würde der Student sie dann noch haben wollen? Würde der Drugstore-Besitzer sich noch sicher fühlen, wenn er sie in der Hand hielte?

Die Organisation „States United to Prevent Gun Violence“ hat genau das gemacht: die Waffen erzählen lassen. Mitten in New York wurde ein Laden für „First-time gun buyers“ eröffnet, mit dem Versprechen, dass sie hier gut beraten werden, wenn sie sich ihre erste Waffe zulegen wollen. Das Kaufargument der Kunden, die in den Laden kamen: „Safety“ – Sicherheit. Das Besondere an dem Laden: Jede der Waffen hat eine Geschichte, die man auf einem anhängenden Etikett nachlesen kann. Oder die der Verkäufer nebenbei erzählt. Wer wann wie und wo damit getötet wurde. Die Reaktionen der Kunden wurden mit versteckten Kameras gefilmt: http://www.youtube.com/watch?v=1nAfWfF4TjM

Wahrscheinlich sind die jungen New Yorker, die man hier sieht, nicht repräsentativ. Keiner von ihnen scheint ein ausgewiesener Waffennarr zu sein, der bis zum Letzten für sein Recht kämpfen wird, ein Gewehr im Schrank zu haben, egal, was mit diesem Gewehr vorher schon alles getan wurde. Aber das Video ist dennoch ein großer Erfolg und wurde bisher mehr als drei Millionen Mal angeklickt, die Aufklärungsidee scheint also zu fruchten. Und vielleicht muss man es so sehen: Jede Waffe, die nicht verkauft wird, ist eine gute Waffe. Wenn man „gute Waffe“ überhaupt sagen kann.

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