Otis ist zurück. Nur seine Familie fehlt ihm hier.

Otis ist zurück. Nur seine Familie fehlt ihm hier.

Foto: Youtube /Screenshot

Otis Johnson wundert sich. Über die großen Videotafeln am Times Square, über Menschen, die beim Laufen nicht mehr auf die Straße, sondern in ihre Telefone gucken, über die vielen bunten Drinks. Otis Johnson hat die Straßen New Yorks seit 44 Jahren nicht betreten. Der 69-Jährige saß im Gefängnis. Jetzt ist er frei – und die Welt ist eine andere. Otis Eindrücke hielt der Nachrichtensender Al Jazeera in einem Video fest.

Es ist ein bisschen, wie in einem Hollywood-Film: Für Otis ist die Gegenwart so etwas wie eine Reise in die Zukunft. Wie nimmt jemand die Welt wahr, der seit eine halben Jahrhundert in einer Zeitkapsel steckt? Das Video zeigt: Mit Kinderaugen. Aber auch mit großer Reife. Die verrückte Welt sei ihm lieber, als die Isolation im Gefängnis, sagt er.

Es macht Spaß, Otis zuzusehen, wie er sein neues Leben entdeckt. Er steht im Supermarkt, wundert sich über die vollen Regale, die Erdnussbutter, die man jetzt mit Marmelade gemischt im Glas bekommt und „all das verrückte Zeug“ was man so essen kann. Und dann entdeckt er ein Erdnussbutterglas im Regal und grinst: „Seit 1960 die selbe.“ Auch das zeigt das Video: Manche Dinge ändern sich eben doch nicht. Von dem weißbärtigen Mann mit Beanie kann man einiges lernen. Denn die ganze Veränderung macht Otis keine Angst. „Ich konzentriere mich nicht auf die Vergangenheit, sondern auf die Zukunft“, sagt er. Denn in der lebt er jetzt schließlich.

Sina Pousset