Neuseeeland in 14 Tagen. Heute: Kill em all! Kiwis im Beutel-Krieg

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Tag 7.

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Illustration: Julia Schubert

Was das Essen angeht, so waren wir vor der Reise nach Neuseeland hübsch in die Irre geführt worden. „Britischer Einfluss!“, unkten die nichtsnutzigen Bekannten, „überall nur Fish’n’Chips und andere Fettschwämme.“ Tatsächlich haben wir bis jetzt sehr gut gegessen, viel superfrischen Fisch, Muscheln so groß wie ein iPhones, aber auch Steaks und natürlich Lamm. Auffällig war dabei vor allem, dass selbst das kleinste Museumscafé das Essen anrichtet, als müsste es demnächst an die Wand gehängt werden – mit großer Sorgfalt und sehr appetitlich, nicht diese Fleisch-Beilage-Gurkenscheibe-Tristesse, die in Süddeutschland vom Teller grüßt. Der Umstand, dass hier Herbst und Erntezeit ist, trägt außerdem dazu bei, dass sich im Kofferraum unseres Mietautos Plastiksäcke mit allerlei Obst stapeln, dass wir an Ständen am Straßenrand kaufen. Die Feijoa, eine Frucht die wie gar nicht kannten, schießt dabei eindeutig den Überraschungsbonus ab: eine kleine grünes Ding, das man auslöffelt wie ein weiches Ei, mit einem Geschmack irgendwo zwischen, äh, weiß nicht. Ein ganz neuer, frischguter Geschmack ist das jedenfalls. Außerdem gibt es natürlich überall Kiwis, wobei vor allem die „Golden Kiwifruit“ super ist – haarlos, gelb, doppelt so süß wie eine grüne Kiwi und viermal so süß, wie eine Kiwi aus dem Plus an der Landshuter Allee. Ums Essen geht es irgendwie auch bei unserem heutigen Superlisten-Termin. Wir hoppeln dazu unasphaltiert ins „Naked Possum Cafe“ - eine letzte menschliche Bastion vor dem Palmendickicht, dem hier das Hinterland gehört. Ein Lagerfeuer brennt da, obwohl es Mittag ist und alles sieht so aus, wie man sich eine Ranch vorstellt. Auf der Ranchterrasse stehen massenweise nette Menschen, die es gar nicht erwarten können, uns in ihre Werkstatt zu führen. Dort geht es dem Possum ans Fell.

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Illustration: Julia Schubert

Ein Possum in seiner beliebtesten Form. Man muss wissen, nichts hassen die Neuseeländer so ausdauernd und kollektiv, wie ein niedliches, hockergroßes, Beuteltier namens Possum. Man sieht es oft überfahren am Straßenrand liegen und beinahe das erste, was man nach „How are you?“ zu hören kriegt, ist die Aufforderung, bitte bald ein Possum zu überfahren oder sonst wie zu killen. Dieser Hass rührt von der Eigenschaft der – eingeschleppten – Possums her, ganze Waldstriche in grau-kahle Wüsten zu verwandeln. Ihr Baumfraß bedroht in der Folge auch Vögel und anderes Waldgetier und ergo muss das Possum ausgerottet werden. Nur, es vermehrt sich schneller als die Kiwis drüber fahren können, deswegen behilft man sich jetzt auf Menschenseite auch mit psychologischer Kriegsführung. Damit sind wir wieder im Naked Possum. Hier nämlich wird Possumhaut gegerbt, gefärbt und verarbeitet. Eine ganze Boutique mit Lampenschirmen und Kissenbezügen, Beuteln und Hüten aus Possumhaut gibt es und auch Pullover, halb Schaf, halb Possumfell und sehr weich. Diese Produkte werden bei schönem Wetter vor dem kleinen Shop ausgestellt. Das soll verkaufsfördernd auf die Menschen und abschreckend auf die Possums wirken, deren Gebiet direkt hinterm Zaun anfängt. Besonders gerne fressen die Possums den Rata-tree, eines der Wahrzeichen der Insel, das um Weihnachten herum knallrot und prächtig blüht. Die neueste Aktion im Naked Possum ist deshalb „Ratas Revenge“ – die Rache des Rata-Baumes, der hier nicht nur aufgeforstet wird – die Bäumchen stehen dabei in Töpfen aus Possumhaut!

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Illustration: Julia Schubert

Das Rote ist Rata. Wir essen auch im Naked Possum, allerdings Hirschburger und nicht Beutelburger. Hirschburger schmeckt eher langweilig, wer hätte das gedacht? Auf unserer Rückfahrt aus dem wunderbaren Gebiet der Golden Bay kommen wir noch an einer anderen Trutzburg im Kampf gegen die Possums vorbei – wieder ein Restaurant. Auf einem großen Schild ist da ein Possum zu sehen und darunter steht: „You kill em, we grill em!“

Text: max-scharnigg - Fotos: Julia Strauß

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