Lasst uns froh und munter sein

Kurz vor Jahreswechsel haben Motivationstrainer mal wieder Konjunktur und die frohen Botschaften überschlagen sich geradezu.
caroline-vonlowtzow
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Illustration: Julia Schubert

Angela Merkel im Kanzleramt; Foto: AP Das Institut für Demoskopie in Allensbach hat in seinem traditionellen Neujahrs-Stimmungsbarometer zum Beispiel gemessen, dass die Deutschen diesmal so optimistisch wie seit fünf Jahren nicht mehr ins neue Jahr starten. 45 Prozent schauen 2006 demnach hoffnungsfroh entgegen, die letzten beiden Jahre seien es nur je 38 Prozent gewesen. Deutsche Beamte sind sogar überdurchschnittlich optimistisch: 53 Prozent freuen sich auf 2006. Weil die Mehrheit der Deutschen aber immer noch skeptisch oder gar ängstlich in die Zukunft blickt, hat sich jetzt Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Wort gemeldet. In dem offenen Brief „Gemeinsam sind wir stärker“, der bis kommenden Montag als Anzeige in Zeitungen und Zeitschriften erscheinen soll, wirbt Angela Merkel für Optimismus. Nach der Anrede „Liebe Bürgerinnen und Bürger“ heißt es: „In den vergangenen Wochen und Monaten bin ich oft gefragt worden, warum ich dieses Land regieren möchte. Bei all den Problemen, vor denen wir zurzeit stehen. Ich entgegne dann immer: weil ich an dieses Land und seine Menschen glaube! Weil Deutschland voller Chancen steckt. Und weil ich davon überzeugt bin, dass wir sie nutzen können. Ich weiß, dass viele von Ihnen genauso denken.“ Fehlt nur noch das „Tschakka“. Danach bittet die Kanzlerin um Vertrauen für die Große Koalition, die den festen Willen habe, die großen Probleme unserer Zeit zu lösen: 1. Arbeit: "An erster Stelle steht die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Ich kann nicht akzeptieren, dass wir für so viele arbeitswillige Männer und Frauen in unserem Land keine Beschäftigung finden. Die Bundesregierung hat damit begonnen, ein neues Klima für Unternehmen zu schaffen. Wir senken die Lohnnebenkosten, damit endlich wieder mehr Menschen in Arbeit kommen.“ 2. Wirtschaftswachstum “Schon in wenigen Tagen beschließen wir ein Sofortprogramm für höheres Wachstum und mehr Beschäftigung über insgesamt 25 Milliarden Euro. Damit investieren wir in bessere Verkehrswege, in Forschung und Technologie, in Gebäudesanierung. Wir entlasten kleine und mittlere Unternehmen. Und wir stärken die privaten Haushalte als Arbeitgeber. Handwerkerarbeiten und Dienstleistungen wie Pflege und Betreuung sind künftig stärker steuerlich absetzbar.“ 3. Familie "Uns geht es um Zukunftsvorsorge für alle Bürgerinnen und Bürger, um bessere Förderung der Familien, um mehr Kinder. Wir wollen es Eltern leichter machen, für ihre Kinder zu sorgen. (...).“ Zudem appelliert die Kanzlerin an die Reformbereitschaft der Bürger: "Wir brauchen die Bereitschaft für Veränderungen. Nur so können wir unseren Wohlstand und das hohe soziale Niveau in Deutschland für uns und die kommenden Generationen bewahren. Deshalb werden wir alles daransetzen, dass die Wirtschaft stärker wachsen kann. Das ist die Voraussetzung dafür, dass unsere Sozialsysteme finanzierbar und leistungsfähig bleiben und der Staat seine Aufgaben erfüllen kann." Beendet wird der Brief so, wie er beginnt – mit einer weitern Beschwörungsformel für mehr Optimismus und Motivation: "Überraschen wir uns damit, was möglich ist und was wir können! Lassen Sie uns unser Land gemeinsam nach vorn bringen. Mit Mut und Menschlichkeit. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien alles Gute für 2006!“ Die Kosten für die Anzeigenkampagne belaufen sich übrigens auf knapp drei Millionen Euro.

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