Saure Trauben

Regisseur Roman Polanski („Der Pianist“, „Bitter Moon“, „Tanz der Vampire“) will nichts mehr mit Hollywood zu tun haben – und auch nicht mehr dort arbeiten.
christoph-koch

"Für Regisseure gilt in Hollywood seit Jahren eine simple Regel: Je infantiler dein Projekt, desto leichter bekommst du Geld dafür. In dieser Stadt haben die dümmsten Filmemacher die geringsten Probleme. Warum sollte ich zwei Jahre Lebenszeit investieren in etwas, das die Leute nach ein paar Minuten wieder vergessen haben?" (Quelle: Stern)

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Illustration: Julia Schubert

Nach sauren Trauben und hochinteressant klingt diese Aussage deshalb, weil Polanski (Foto: Reuters) nicht einmal in Hollywood arbeiten könnte, wenn er es wollte. Dem Regisseur droht bei Einreise in die USA eine Verhaftung und Anklage, da er 1977 ein 13-jähriges Mädchen unter Drogen setzte und vergewaltigte. Graydon Carter (Foto unten: dpa) , Chefredakteur der Zeitschrift Vanity Fair schildert den Fall unter Berufung auf die gerichtlichen Aussagen des Mädchens wie folgt: „Polanski schenkte ihr Champagner ein und füllte das Glas immer wieder auf, dann führte er sie nach draußen in den Whirlpool, wo sie beide [ein starkes US-Beruhigungsmittel] nahmen. Sie sagte, er drängte sie dazu, immer mehr Kleidungsstücke abzulegen, bis sie schließlich völlig nackt war. Nach Angaben des Mädchens machte Polanski Nacktfotos von ihr und zog sich selbst aus. […] Polanski verfolgte sie ins Schlafzimmer, küsste sie […] sie sagte sie hätte ihn mehrmals gebeten aufzuhören, worauf Polanski begann, Geschlechtsverkehr mit ihr zu haben. Als er merkte, dass sie nicht die Pille nahm, zog sich Polanski, ganz der Gentleman zurück und begann, die 13-Jährige anal zu vergewaltigen. Danach fuhr er sie nach Hause und sagte ‚Erzähl weder deiner Mutter noch deinem Freund etwas davon. Das ist unser Geheimnis.“ (Quelle: Vanity Fair)

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Illustration: Julia Schubert

Polanski wurde damals in sechs Fällen angeklagt, unter anderem der Vergewaltigung unter Zuhilfenahme von Drogen. Nach Verhandlungen hinter geschlossener Tür bekannte er sich des ungesetzlichen Geschlechtsverkehrs mit einer Minderjährigen schuldig, die anderen Punkte wurden fallen gelassen. Vor der endgültigen Verurteilung floh Polanski aus den USA und hat das Land seither nicht betreten – täte er es, würde das Verfahren wieder aufgenommen und unter Umständen mit einer jahrelangen Haftstrafe für Polanski enden. Dass Polanski trotzdem noch um seinen guten Ruf besorgt ist, zeigt die Tatsache, dass er die Zeitschrift Vanity Fair verklagte, die behauptet hatte, Polanski hätte noch vor der Beerdigung seiner Frau Sharon Tate eine andere Frau verführt.

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