Die Pärchenkolumne. Heute: Hobbies

Manchmal ist es richtig anstregend, in jemanden verliebt zu sein. Für jetzt.de untersuchen Michèle und Dominic - jeder für sich - die Sumpflöcher ihres gemeinsamen Beziehungalltags.
dominic-holzer

Michèle sagt: Pärchen, die gemeinsame Hobbys haben, beneide ich insgeheim. Es muss doch irgendwie schön sein, wenn man am Wochenende wie selbstverständlich den Windbreaker im Partnerlook überstreift und zusammen auf einen Berg marschiert oder bei einem Mensch-ägere-dich-nicht-Turnier die Seele baumeln lassen kann. Solche Pärchen müssen sich nicht den Kopf zerbrechen wie und wo das Wochenende verbracht wird. Nicht so bei Dominic und mir. Pünktlich jeden Sonntagmorgen, unserem einzigen freien Tag der Woche, geht das Rumgeeiere los. Sind wir an den Abenden ein Dreamteam wie Gin und Tonic bei guter Musik, verhalten wir uns bei Tageslicht, was unsere freizeitlichen Interessen angeht, wie Essig und Öl. Während ich gerne zu versauten Songs von Louis XIV zehn Kilometer im Park um mein Leben renne, klampft Dominic lieber zuhause auf seiner Gitarre „Finding Out True Love Is Blind“. Soll es bei ihm Sport sein, so steht er mehr darauf, sich Schürfwunden mit seinen Jungs auf dem Bolzplatz zu holen, während ich zentimetergenau meine Blumenkästen umgrabe und kleinen Wicken helfe, sich um Bambusstäbe zu wickeln. Immer wieder haben wir versucht, dem anderen entgegen zu kommen, aber ehrlich, bei dem Wort „Tennisplatz“, bekomm ich Hautausschlag und bei „Beachvolleyball“ noch Nesselsucht dazu. Alles, was mit Bällen zu tun hat, langweilt mich sehr. Dominic fühlt sich dafür im botanischen Garten wie in Guantanamo und nennt Margariten immer noch „große Gänseblümchen“. Gut, das kann ich verstehen. Grünzeug ist nicht jedermanns Sache und auch nicht unbedingt eine Beschäftigung, die man toll zu zweit machen kann. Dafür muss Dominic auch irgendwann mal einsehen, dass es nicht besonders spannend ist, jemandem beim Gitarrespielen zuzusehen und Lieder zu erraten. „Michèle, hör mal, kennst du das?“ „Äh...hm, ja also...äh...ist das ...äh...Dings?“ „Mann, das ist total einfach, jetzt hör halt hin!“ Wenn ich Glück habe, liegt irgendwo auf dem Boden eine aus dem Internet ausgedruckte Tabulatur und ich kann das spaßige Quiz schnell beenden, indem ich spicke. Da ist es mir dann lieber, die Freizeitgestaltung handelt doch wieder von Bällen. In den letzten vier Wochen habe nämlich sogar ich mich dem deutschen Fußballkollektiv angeschlossen und mich von Dominic ordentlich briefen lassen. „Schiri, wir wissen wo dein Auto steht“ erkenne ich jetzt ganz ohne Unterschleif. michele-loetzner

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Dominic sagt: Mit Michèle kann man abends wunderbar Zeit verbringen. Wir mögen die gleiche Musik, das gleiche Essen und schlagen uns gerne mal im Club die Nächte um die Ohren. Tagsüber wird es schon schwieriger eine gemeinsame Freizeitgestaltung zu finden. Michèle steht dann gerne an ihrem Blumenkasten, die Hand voll Erde und sagt „Lass uns doch mal wieder zusammen laufen gehen!“ Aber das ist so eine Sache. In meinen diversen Sportvereinen war Kondition bolzen schon immer ein obligatorisches Ärgernis. Seit Michèle aber vor knapp zwei Jahren Joggen zu ihrer Leidenschaft ausgerufen hat, zelebriert sie ihre wöchentlichen Runden geradezu. Mit Hochgeschwindigkeit natürlich, Madame kann eben nichts schnell genug gehen. Kaum, dass ich „Eine Stunde gelaufen ist eine Stunde gelaufen, so oder so“ zu Ende denke, überrundet mich Michèle im Nähmaschinenschritt erneut. Übrigens bestens eingekleidet und ausgestattet: Ihr Musikplayer steckt in einer Extratasche am Arm und insgeheim liebäugelt Michèle schon mit einem im Schuh eingebauten Kilometerzähler. Da muss ich passen. Die Erfindung des Balls ist hingegen ohne Notiz an ihr vorübergegangen und Netze sollten ihrer Meinung nach eher zum Fischfang eingesetzt werden. „Diese Beacher am Baggersee“ findet sie seit ihrer Schulzeit schon „scheiße“ und ich hadere bis heute mit mir, ob ich ihr darüber vielleicht doch was beichten sollte. Wie gerne würde ich unsere kleineren Zwistigkeiten auch mal bei einem gepflegten Tie-Break im Tennis oder Badminton beilegen. Fehlanzeige. Nicht mal zum Tischtennis im Freibad könnte ich sie animieren! Ihre Freiheitsliebe verbietet ihr schlicht, sich nach „irgendeinem blöden Ball“ zu richten. Lieber gräbt sie gerne stundenlang akribisch Blumenerde um und platziert Stiele und Stängelchen neu, damit sich die Kapuzinerkresse schön hoch hangeln kann. Spannender findet sie seit neuestem nur Fußball schauen. Den ganzen Sommer über hat sie mich aufmerksam nach Dingen gefragt wie, „Was heißt eigentlich immer das Ergebnis in Klammern?“ oder „Warum stehen die Italiener immer hinten drin?“ und spätestens, wenn ich nach dem Laufen wieder zu Atem gekommen bin, habe ich ihr gerne alles über unser neues gemeinsames Hobby erklärt.

  • teilen
  • schließen