Sag' ich doch! - Die Pärchenkolumne

Manchmal ist es richtig anstregend, in jemanden verliebt zu sein. Für jetzt.de untersuchen Michèle und Dominic - jeder für sich - die Sumpflöcher ihres gemeinsamen Beziehungalltags. Heute: Essen bestellen
michele-loetzner

Dominic sagt: Es gibt Wesenszüge an Frauen, die verstehe ich einfach nicht. Ich meine, endlich: Ein Abend zu zweit. Ganz ohne Ausgehstress machen wir es uns auf dem Bett gemütlich und genießen den angebrochenen Abend mit Hugh und Sandra. Die DVD läuft an, pünktlich eine Minute nach acht stellt sich bei Michèle der kleine Hunger ein und dagegen hilft jetzt auch der Supermarkt vor der Haustür nichts mehr. Die letzte Rettung ist ziemlich bunt und verstopft den Briefkasten: Wir gucken Bringdienst-Flyer. Ich bin nun wirklich kein Zahlenfreak, aber Nummer 11, 48 und 68 habe ich in den letzten Monaten zu schätzen gelernt – die schmecken immer und funktionieren sogar Bringdienst-übergreifend. Der Michèle sind Zahlenspiele egal: Ihr schmeckt grundsätzlich mein Essen am Besten. Wenn ich also entschieden habe, empfehle ich ihr genau das, was ich eigentlich wollte und nehme selbst irgendwas anderes. Erfahrungssache. Anrufen muss natürlich ich, denn Telefonate mit fremden Leuten sind meiner Freundin seit jeher suspekt. Ich habe mir im Sinne der Pärchenharmonie auch abgewöhnt auf das übliche „Hast du gefragt, wie lange es dauert?“ zu antworten. Nach den genormten 30-45 Minuten Wartezeit die Erleichterung: Quasi noch mit dem ersten Klingeln fetzt Michèle zur Tür und poliert im Vorbeieilen den Tisch blitzblank. Ist das Dinner serviert, setzt sich ein immer gleicher Mechanismus in Gang. Mit spitzbübischer Hartnäckigkeit kostet sie von meinem Essen und beschließt nach spätestens zwei Bissen: „Duhuu, deines ist schon wieder besser.“ Es folgt ein taktischer Umweg von „Och nöö“ über „Jetzt lass mal“ bis hin zu „Na, dann gib her!“ und so gelange ich via Tellertausch letztlich doch an das Menü meiner Wahl. Was Michèle allerdings nicht davon abhält, weiter in meinem bereits getauschten Essen herumzuprobieren. Nicht, dass ich es ihr nicht vergönne. Aber Einzelkinder teilen eben nicht gerade kompetent. Umso lieber esse ich später auf, was sie mal wieder nicht geschafft hat. Und weil gutes Essen Michèle so unglaublich müde macht, habe ich zumeist ein Einsehen, stoppe die DVD und gucke Bob Ross. Machen wir morgen eben noch mal Pärchenabend! dominic-holzer

Illustration: Julia Schubert

Michèle sagt: Was Dominic definitiv nicht kann, ist Kochen. Ich wiederum kann superduper kochen, weil ich aber manchmal einfach keine Lust habe, warte ich bis der Supermarkt schon geschlossen hat und überrede Dominic dann spontan etwas zu bestellen. Mit Essen bin ich heikel. Obwohl ich als Kellnerin selbst jahrelange Erfahrung mit entscheidungsunfreudigen Gästen habe, bin ich selbst wohl der schlimmste Gast. Ich kann mich einfach nicht entscheiden. Schon allein die Frage Pizza oder Chinamann überfordert mich. Dominic ist da leider auch keine große Hilfe. Auf „lieber Pizza oder chinesisch?“, kommt mit Garantie immer „was willst du denn?“. Super, Dominic! Große Hilfe. Nach zwei Jahren Beziehung unterstelle ich ihm hier pure Provokation. Er müsste wissen, dass ich mich nicht entscheiden kann. Aber nun gut. Haben wir uns tatsächlich auf einen Bringdienst geeinigt, kommt das nächste Problem. Natürlich kann ich mich auch innerhalb einer Karte nicht entscheiden, weshalb es meistens darauf hinausläuft, dass ich entweder immer das Gleiche esse oder wenn Dominic weg sieht, blind mit dem Finger auf irgendwas tippe. Anrufen muss ganz klar Dominic. Erstens telefoniere ich seit jeher nicht gerne mit fremden Leuten, genaugenommen verabscheue ich es, zweitens muss ich ja schon immer kochen, wenn was im Kühlschrank ist. Klare und logische Arbeitsaufteilung, finde ich. Dominic vergisst nur jedes Mal zu fragen, wie lange es dauert, was ich nie verstehen werde. Ich würde das fragen, wenn ich fremde Leute anrufen würde. Ganz klar. Der Höhepunkt des Wir-lassen-andere-Leute-für-uns-kochen-Abends ist natürlich erreicht, wenn das Essen da ist. Komischerweise schmeckt Dominics Essen immer besser als meins. Warum, weiß ich nicht, aber bei mir ist immer was Doofes drin, was ich beim Bestellen überlesen habe. Und Dominic ist ein blödes Einzelkind. Ich bin ja quasi auch Einzelkind, aber mit meinem Freund teile ich alles von Herzen. Wenn ich ihn frage, ob ich mal probieren darf, ziert er sich wie eine Prinzessin. Irgendwann schwebt dann eine Gabel vor mir mit akribisch abgemessenem Gewicht (bloß nicht zu viel) und wenn ich zubeißen möchte, kommt das Allerbeste. Kurz bevor mein Mund zuklappt, zieht er schnell noch die Gabel zurück, damit ich auch garantiert nicht alles abbeißen kann. Mittlerweile frage ich deswegen gar nicht mehr, ob ich was abhaben darf, ich stochere einfach in seinem Essen rum, während er sich darüber aufregt, dass ich keine fremden Leute anrufen will.

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