Nachhilfestunde mit George Clooney

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Syriana (2005)
Von: Stephen Gaghan Mit: George Clooney, Matt Damon, Christopher Plummer, Jeffrey Wright u.v.m.

Warum diesen Film auf DVD? Eine zweite Chance für alle, die die komplexen Handlungsstränge von „Syriana“ beim ersten Sehen nicht ganz entwirren konnten.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Worum geht’s?
Es geht um den Kampf ums Öl, der auf den unterschiedlichsten Ebenen ausgefochten wird. „Syriana“ ist ein Ensemblestück, eine wirkliche Hauptfigur gibt es nicht, aber die Sympathien liegen bei Bob Barnes (George Clooney), einem CIA-Agenten und Experten für den Mittleren Osten. Bob ist einer von der alten Schule, der noch glaubt, die CIA mache die Welt zu einem besseren und sichereren Ort. Von seinen Kollegen und Vorgesetzten wird er belächelt, weil er arabisch sprechen kann, ständig Memos ins Hauptquartier schickt und sich um eine Bombe sorgt, die bei einem CIA-Einsatz versehentlich in falsche Hände geraten ist. Die Geschichte kehrt immer wieder zurück zu Bob, und genau wie er muss auch der Zuschauer langsam erkennen, dass die CIA eine korrupte Organisation ist, die fragwürdige Aktionen durchführt, diese dann zu vertuschen sucht und damit den großen Ölfirmen in die Hände arbeitet. So soll zum Beispiel der reformwillige Sohn eines Ölscheichs, Prinz Nassir, der die eigene Wirtschaft ankurbeln und sich dem Einfluss amerikanischer Firmen entziehen will, von der CIA ermordet werden – mit dem fadenscheinigen Argument, er überweise Geld an Waffenhändler und die Al-Quaida. Vom Tod Nassirs profitieren die amerikanischen Ölfirmen, in „Syriana“ heißen sie Connex Oil und Kellin, die, um ihren Einfluss in der Region nicht zu verlieren, alles tun, um die wirtschaftliche Entwicklung im Mittleren Osten zu stoppen und das Chaos aufrecht zu erhalten. Doch – und das ist eine der Kernaussagen von „Syriana“ – auch diese Ölmultis haben einen Auftraggeber: das amerikanische Volk, das gierig Rohstoffe verschlingt und nach immer mehr zu möglichst geringen Preisen verlangt.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Der Film hält sich aber nicht nur mit den Großen von Wirtschaft und Politik auf, in einem Erzählstrang porträtiert „Syriana“ einen jungen Pakistani und dessen Freunde, die ihre Jobs auf dem Ölfeld am persischen Golf verlieren (als Folge der Geschäfte der großen Ölfirmen) und zurück nach Pakistan geschickt werden sollen. Halt finden die Jugendlichen nur noch in einer Koranschule, wo es umsonst Essen gibt und wo vom Fluch der freien Marktwirtschaft gepredigt wird, in der die Großen die Kleinen rücksichtslos ausbeuten. Schritt für Schritt findet eine Radikalisierung der Jungendlichen statt, bis sie zum Märtyrertod bereit sind. Der Zusammenhang zwischen den Machenschaften der amerikanischen Wirtschaft, für die der Mittlere Osten nur aus Ölfeldern besteht, und der religiösen Radikalisierung der Pakistani wird deutlich gezeigt und der Weg vom Arbeitslager in die Koranschule bis auf ein mit sprengstoffbestücktes Boot ist genau nachgezeichnet. Dabei verliert der Film nie seine Sympathien für die Jugendlichen, immer bleiben sie und die Prediger in der Koranschule Menschen, deren Motivationen nachvollzogen werden können – ohne dass dabei ihre Taten gerechtfertigt werden. Das ist der vielleicht mutigste Zug von „Syriana“, einem Film, der mit großem Staraufgebot und großer Produktionsfirma im Rücken auf ein relativ großes Publikum abzielt. „Syriana“ ist kein dokumentarischer Film, er erzählt eine fiktive Geschichte mit fiktiven Charakteren, das wird auch noch einmal im Abspann gesagt. Er bedient sich filmischer Mittel wie dramatischer Musik und einer starken Bildsprache, die sich vor allem auf die Betonung von Gegensatzpaaren konzentriert: Von den arbeitslosen Jugendlichen am Persischen Golf wird auf Bobs Sohn geschnitten, der mit anderen amerikanischen Jugendlichen scherzt und Wüstenaufnahmen folgen immer wieder Bilder von grünen Landschaften in Amerika. Doch trotz der Fiktionalisierung und des Unterhaltungswerts des Films bleibt dem Zuschauer am Ende das Gefühl, ein kleines Stück einer größeren Wahrheit gesehen zu haben.

Bestes Bonusmaterial:
„Make a Change, make a Difference“. Hier kommen die am Projekt “Syriana” beteiligten Personen zu Wort und deren Aussagen machen die Absicht des Films noch einmal deutlich.

Schlechtestes Bonusmaterial:
A Conversation with George Clooney. Soo toll, wie wir ihn uns vorgestellt haben, ist Clooney auch wieder nicht. Wollen wir aber lieber gar nicht wissen.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Schönstes Standbild:
Ein schönes Beispiel für die Gegensätze, die der Film aufbaut: Von Prinz Nassir, der in weißem Gewand mitten in der Wüste steht (0:45:10), wird schnell zum grünen Privatpark eines Ölmultis in Texas (0:47:17) geschnitten

Wann ansehen: Am besten zu mehreren, der Film löst den Wunsch aus, nacher noch darüber zu sprechen.

Die DVD “Syriana” (Warner) ist ab sofort im Handel erhältlich.

[Bilder:Warner]

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