Was man früher unter Humor verstand

In seinem Film „Pauly Shore is Dead“ macht sich der ehemals sehr beliebte Komiker und Schauspieler Pauly Shore über sich selbst und seine Erfolglosigkeit lustig. Und liefert damit einen letzten Grund, warum wir alle froh sein sollten, dass die Neunziger vorbei sind.
lisa-goldmann
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Illustration: Julia Schubert

Pauly Shore is Dead (2003)
Mit: Pauly Shore, Sean Penn, Ben Stiller, Vince Vaughn u.v.m.

Warum diesen Film auf DVD? „Pauly Shore is Dead“ ist wie eine langsam verblasste Erinnerung an unsere Kindheit und Jugend in den bunten und schrillen frühen Neunzigern.

Worum geht’s?
Der amerikanische Komödiant und Schauspieler Pauly Shore, der 1990 mit einer eigenen MTV-Show sehr schnell sehr berühmt wurde, ist in Deutschland hauptsächlich durch seine schrillen und überdrehten Komödien „Steinzeit junior“, „Schwiegersohn junior“ und „In the Army now“ bekannt. Sie alle sind in den frühen Neunzigern entstanden, danach war es schnell wieder still um Pauly und wir haben ihn vergessen. Doch Pauly Shore will nicht vergessen werden und deswegen greift er mit seinem neuen Film „Pauly Shore is Dead“ zum vorletzten Mittel, das einem Komiker bleibt, der ganz unten ist: Gnadenlose Selbstironie. Der Film erzählt eine fiktive Geschichte, die Shore um seinen eigenen, nur zu realen Misserfolg baut. Shore spielt sich selbst und stellt sich als dümmlichen, egozentrischen und sexbesessenen Loser dar, der nicht akzeptieren kann, dass die Welt genug von ihm gesehen hat. Jeden, den er trifft, fragt er sofort: „Kannst du mir eine Rolle besorgen?“ Der Film- Pauly greift zum allerletzten Mittel, das einem ehemaligen Star bleibt, der ganz unten ist: Er täuscht seinen eigenen Tod vor, um sich wieder in die Schlagzeilen zu bringen. Ein Plan, der zunächst aufgeht. Pauly Shore kann sozusagen post mortem miterleben, wie die Welt sein Ableben betrauert und ihn als größten Komiker seiner Zeit feiert. Dem realen Pauly Shore wird das für immer verwehrt bleiben. Alte Pauly-Shore-Filme zu sehen, ist wie alte Fotos anzuschauen. Man kann gar nicht glauben, wie hässlich, bunt und laut alles Anfang der Neunziger war. Mit „Pauly Shore is Dead“ bleibt Shore dieser Ästhetik treu, er dimmt sie nur ein wenig herunter. Pauly geht in seiner Selbstironie gnadenlos mit sich ins Gericht. Wirklich lustig ist der Film dennoch nur bei den Kurzauftritte unzähliger Stars wie Sean Penn, Ben Stiller, Vince Vaughn und Britney Spears, die alle sich selbst spielen und kräftig über Pauly Shore herziehen dürfen. Shore selbst agiert irritierend zurückhaltend, er spielt seine früheren Trümpfe nie ganz aus (z.B. die berühmte Imitation eines Wiesels), findet jedoch auch keine neuen Posen. Aber genau das gibt dem Film den letzten Touch totaler Verzweiflung, den er braucht, um seine Faszination zu entfalten: Man wird in diesen Film hineingezogen und muss sich unweigerlich fragen, wo man die Grenze zwischen dem echten und dem fiktiven Pauly Shore ziehen muss. Und inwieweit Shores schlechte Darbietung Teil seiner Rolle ist. Ist er so schlecht, weil er sich selbst als schlechten Komiker inszeniert? Oder ist er wirklich so schlecht? Wie wenig Talent hat dieser Mensch wirklich? Die Haltung Pauly Shores als verzweifelter Verlierer, der es unbedingt noch einmal schaffen will, zieht sich bis ins Bonusmaterial, so dass am Ende der fiktive und der (vermeintlich) reale Pauly Shore zu einer erstaunlichen Deckungsgleichheit finden und diese Fragen nicht entgültig beantwortet werden können.

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Illustration: Julia Schubert

Bestes Bonusmaterial:
Die „Deleted Scenes“, die Pauly Shore zusammen mit den Hilton-Schwestern und Charley Sheen vorstellt. Und das „Intro mit Eminem“. In seinen Versuchen, seine Gäste zu animieren, die den Film entweder scheiße fanden oder ihn nicht gesehen haben, bleibt Pauly Shore seiner Rolle, die er im Film annimmt, treu und stilisiert sich so über den Film hinaus als abgewrackten Komiker.

Schlechtestes Bonusmaterial:
Der Audiokommentar. Das ist dann doch einfach zu viel.

Schönstes Standbild:
Pauly Shore stirbt mit einem Ständer. Bei 0:03:14 wird die vermeintliche Leiche Pauly Shores abtransportiert und das Leichentuch formt an eindeutiger Stelle ein großes Zelt. Das ist tatsächlich noch eine der lustigeren Szenen...

Wann ansehen: Wenn uns mal wieder die Nostalgie-Welle packt und wir uns einbilden, dass früher alles besser war.

Die DVD „Pauly Shore is Dead“ (Galileo Medien) ist ab sofort im Handel erhältlich

[Bilder: Galileo Medien]

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