Wenn die Gewalt hereinbricht

Neu auf DVD: In "A History of Violence" wird einmal mehr mit dem Mythos des amerikanischen Kleinstadtidylls gespielt. Selten wurde es so sehenswert inszeniert.
lisa-goldmann

Warum diesen Film auf DVD? „A History of Violence“ ist einer der besten Filme des Jahres 2005. Wer ihn noch nicht gesehen, sollte das jetzt tun. Wer ihn schon kennt: Eigentlich muss man diesen Film zweimal gesehen haben. Ist die Gebanntheit des ersten Sehens erst einmal gebrochen, kann man Viggo Mortensens Gesichtszüge ganz genau beobachten und versuchen, sie zu entschlüsseln. Worum geht’s?
Diesen Film sollte man so unvoreingenommen wie möglich sehen, am besten, man liest nicht einmal den Klappentext der DVD-Hülle. Deswegen nur so viel: Es geht um eine amerikanische Kleinfamilie, im Mittelpunkt der Ehemann und Vater Tom Stall, deren Leben durch das Auftauchen von gewalttätigen Fremden in ihrer kleinen Stadt durcheinander gebracht wird. Es geht um die Illusion des amerikanischen Kleinstadt- und Familienidylls, um die dunkle Seite, die in jedem von uns steckt und um die Frage nach der Beschaffenheit und Selbstbestimmbarkeit der eigenen Identität. Mit „A History of Violence“, der auf dem gleichnamigen Comic basiert, hat Regisseur David Croenenberg eine eher untypische Comicverfilmung geschaffen. Die gesamte Filmästhetik erinnert mehr an klassische amerikanische Kleinstadtkrimis als an die bunte, überladene Hochglanzästhetik anderer Comicverfilmungen. Regisseur und Schauspieler widmen fast jede Szene der Entwicklung der Figuren, der Zuschauer bekommt einen Einblick in deren innere Gespanntheit, die sich sofort auf ihn überträgt, in der finalen Einstellung einen letzten Höhepunkt erreicht und noch lange darüber hinaus wirkt.

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Illustration: Julia Schubert

Bestes Bonusmaterial:
„Gewaltakte“. Ein in acht Teile aufgegliedertes Making-Of, das sich auf den Aspekt der Gewalt und auf die Gewaltszenen des Films konzentriert. Man erfährt nicht nur etwas über die technischen Tricks des Blutspritzens, sondern auch ein wenig über die Geschichte der Gewalt in der amerikanischen Gesellschaft und der amerikanischen Filmgeschichte.

Schlechtestes Bonusmaterial:
Wie so oft: Der Audiokommentar. David Cronenberg mag ein außergewöhnlicher und faszinierender Regisseur sein, seine Genialität will oder kann er aber nicht mit dem Publikum teilen. So wird einfach viel nacherzählt und die wirklich spannenden Fragen in den ausschlaggebenden Momenten des Films bleiben unbeantwortet.

Schönstes Standbild:
Bei 50:12. Der amerikanischen Familienmythos in einem Bild: Ein Haus, eine Frau, ein Mann, eine Waffe.

Wann ansehen: Am besten sofort, am besten alleine. Nur keine Ablenkungen.

Die DVD „A History of Violence“ (Warner) gibt es ab 24. März zu leihen und zu kaufen. Regie: David Cronenberg Mit: Viggo Mortensen, Maria Bello, Ed Harris, William Hurt

Foto: Warner

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