Ein Jahr Pegida-Demos: "Man muss dagegen halten"

Warum Melissa jeden Montag gegen rechte Stimmungsmacher auf die Straße geht.
Interview: Sarah Beha
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Illustration: Julia Schubert

Heute jährt sich die erste Pegida-Demonstration in München. 40 Mal ist Pegida im letzten Jahr durch die Münchner Innenstadt gezogen. Melissa, 21, stand fast jeden Montag auf der Gegenseite.

jetzt: Melissa, du demonstrierst schon seit einem Jahr fast wöchentlich gegen Pegida. Hat sich denn im Laufe des Jahres irgendetwas dabei verändert?

Melissa: Man hat schon gemerkt, dass die Zahl der Gegendemonstranten insgesamt eher abgenommen hat. Es gibt natürlich auch ganz große Gegendemos, wie zum Beispiel am neunten November, aber an so „langweiligen Montagen“ sind die Zahlen eher zurück gegangen.

Wer kommt denn zu den Demonstrationen?

Es ist ein fester Kern entstanden. Es gibt Gesichter, die man immer wieder sieht, sowohl auf der Pegida-Seite als auch bei den Gegendemonstranten.

Man kennt sich also schon. Grüßt du deine Pegida-Gegner dann?

Ein paar markante Gesichter, erkenne ich schon immer wieder. Ich habe gemerkt, dass die ziemlich verunsichert sind, wenn man sie einfach nett anlächelt. Denn eigentlich wollen sie provozieren und schauen dann lieber gleich weg.

Wer kommt denn zu den Demonstrationen?

Es ist ein fester Kern entstanden. Es gibt Gesichter, die man immer wieder sieht, sowohl auf der Pegida-Seite als auch bei den Gegendemonstranten.

 

Man kennt sich also schon. Grüßt du deine Pegida-Gegner dann?

Ein paar markante Gesichter, erkenne ich schon immer wieder. Ich habe gemerkt, dass die ziemlich verunsichert sind, wenn man sie einfach nett anlächelt. Denn eigentlich wollen sie provozieren und schauen dann lieber gleich weg.

 

Wieso gehst du jeden Montag auf die Straße?

Weil ich es wichtig finde, dass man seine Gegenposition vertritt und dass die Gesellschaft und die Menschen, die hierher flüchten, auch sehen, dass die Meinung der Pegida-Sympathisanten nicht von der Mehrheit vertreten wird. Ich habe von Bekannten aus Dresden gehört, dass dort wegen der Pegida-Demos eine schlechte Stimmung herrscht und Leute schon Angst haben. Deshalb konnten angeblich Projekte für Flüchtlinge nicht gemacht werden. Das darf in München nicht passieren.

Aber das glaube ich auch nicht, weil es wirklich sehr wenige Pegida-Demonstranten sind. Trotzdem muss man dagegen halten.

 

"Ihr gehört vergast"

 

Gab es besonders unangenehme Momente?

Das krasseste Erlebnis war, als ein Pegida-Demonstrant auf unsere Seite kam und „Ihr gehört vergast“ sagte. Er ist gleich wieder verschwunden, aber das war schon schockierend. Es hat mich aber auch bestärkt, weiter jeden Montag gegen solche Leute auf die Straße zu gehen.

 

Wie aggressiv hast du die Stimmung auf den Demos empfunden?

In Situationen, in denen beide Seiten direkt aufeinandertreffen - meistens sind wir durch Polizei und Absperrungen getrennt - ist die Lage sehr angespannt. Sonst ist es auf unserer Seite deutlich entspannter.

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Seit einem Jahr demonstriert Melissa gegen Pegida, jeden Montag

Foto: Stephan Rumpf

Hast du auch manchmal Angst?

Auf den Demos habe ich mich manchmal schon bedroht gefühlt. Zum Beispiel, als ein Mann sich ganz nah an mich gestellt hatte und meinte, dass ich als Frau doch auf der falschen Seite stehe und ob ich nicht Angst habe, vor den Männern, die kommen. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich mehr Angst vor ihm habe. Gegenreaktionen bekam ich auch manchmal im Alltag, weil ich an meinem alten Rucksack einen „München ist bunt“-Button trug.

 

"Fest in meinem Terminplan"

 

Hast du für die Demo schon Termine ausfallen lassen?

Nein, da habe ich dann eher die Demo ausfallen lassen oder bin mal nur ne Stunde hingegangen. In letzter Zeit ist es aber einfach fest in meinem Terminplan.

 

Wie glaubst du, wird die Stimmung heute Abend?

Ich glaube, dass es ziemlich witzig wird, weil es unser Gegendemo-Jubiläum ist und die Leute Luftschlangen und Tröten mitbringen sollen.

 

Viele Menschen haben an einem Montagabend keine Zeit demonstrieren zu gehen, teilen aber eure Ansichten. Was können diese Menschen tun, um Pegida und Co. nicht das Feld zu überlassen?

Es gibt ja verschiedene Ebenen, auf denen man sich engagieren kann. Jeder kann auf jeden Fall im Alltag seine Meinung gegen Fremdenfeindlichkeit vertreten und auch dagegen reden, wenn rassistische Sprüche geäußert werden.

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