Wie man sich nie bewerben sollte - Personalchefs packen aus. Folge 7: IKEA

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IKEA wird oft mit Humor und mit Spaß bei der Arbeit in Verbindung gebracht. Diese Vermutung steckt sicher auch dahinter, wenn Bewerber schreiben, dass sie uns aus einem der vielen Werbespots kennen. Ich kann nur bestätigen, dass der offene Charme dieser Bilder aus den Spots unserem typischen Betriebsklima entspricht. Ich sitze jedenfalls nach der Arbeit noch oft mit meinen Kollegen zusammen, wir reden dann über alles Mögliche - unter anderem auch über besonders witzige und kreative Bewerbungen, die wir bekommen. Da ist zum Beispiel einmal eine Flaschenpost bei uns gelandet. Oder ein Pizzakarton in den IKEA-Farben gelb und blau. Ein anderer Bewerber hat einen Schuhkarton fantasievoll mit einem kompletten Wohnungsinterieur ausgestaltet. Allerdings gibt es auch das andere Extrem - wenn der Bewerber zum Beispiel vergessen hat, den bereits angeschriebenen Autohersteller in seiner standardisierten Bewerbung durch den Namen unseres Einrichtungshauses zu ersetzen. Derartige Unterlagen lassen das aufrichtige Interesse an IKEA vermissen und damit ist die Sache eigentlich auch schon entschieden. Für ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch ist es übrigens auch wenig förderlich, wenn man dort auf einmal seinen angesammelten Frust über die Arbeitswelt loswerden will. In einem Einzelfall hat eine Bewerberin etwa 20 Minuten nur über ihren ehemaligen Arbeitgeber geschimpft, bevor ich irgendetwas fragen konnte. Ich habe das Gespräch dann zu einem freundlichen Ende geführt. Anders verhält es sich zum Beispiel mit einem Bewerber, der genauestens informiert ist, in welchen Ländern wir Einrichtungshäuser haben und mit allerlei statistischen Zahlen aufwarten kann. So eine Vorbereitung finde ich einfach beeindruckend. Allerdings lohnt sich manchmal auch Spontaneität: Eine junge Frau hat sich einmal beworben, obwohl sie gar nicht im Handel tätig war. Sie war gerade mit der Arbeit an einer Studie zur Personalentwicklung an ihrer Universität beschäftigt. Das fand ich so interessant, dass ich sie zum Gespräch einlud und ihr dann vorschlug, eine Woche zur Probe in unserer Personalabteilung zu arbeiten. Die anschließende Einstellung hat Früchte getragen: Mittlerweile wechselt sie selbst als Personalleiterin in ein anderes IKEA -Einrichtungshaus. Ich kann also allen nur raten, fachfremde Bewerbungen nicht zu scheuen. Was für uns zählt, ist Vielseitigkeit. Die sollte sich im Lebenslauf niederschlagen, gerade, wenn es um Aufgaben geht, die Teamfähigkeit erfordern oder gar Teamführung beinhalten sollen. Alles, was mit dieser Arbeitsweise zu tun hat, sei es die Tätigkeit als Klassensprecher, studentischer Beirat oder Trainer einer Jugendmannschaft im Fußball, zeigt, dass man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Dass man bereit ist, sie auch weiter zu tragen. Und darauf kommt es bei der Arbeit - abgesehen vom Spaß - ja auch hauptsächlich an. +++

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Illustration: Julia Schubert

Barbara Löhnhardt +++ Hier Teil eins der Personaler-Kolumne: die Werbeagentur Hier Teil zwei der Personaler-Kolumne: Greenpeace Hier Teil drei der Personaler-Kolumne: Siemens Hier Teil vier der Personaler-Kolumne: MTV Hier Teil fünf der Personaler-Kolumne: der Personalberater Hier Teil sechs der Personaler-Kolumne: McDonald`s

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