Wie man sich nie bewerben sollte: Personalchefs packen aus. Heute: Die Werbeagentur

Beim Bewerben, ganz wichtig, wollen wir den Personalchef beeindrucken. Mancher von uns schießt dabei arg übers Ziel raus: In unserer neuen jetzt.de-Kolumne erzählen Personalchefs von ihren Erlebnissen und sagen, auf was es beim Bewerben ankommt. +++ In Folge eins erzählt Inka Wittmann von verderblichen Bewerbungen. Sie ist die Personalleiterin der Werbeagentur Jung von Matt und arbeitet in Hamburg.
florian-kaindl

"Ich mag es nicht, wenn Bewerbungen unhandlich sind. Ein Bewerber zum Beispiel hatte seine Unterlagen einmal in einen Riesenblock aus Gelatine gepackt. Das ist ein extremes Beispiel für den Aufwand, mit dem man teilweise erst umständlich herausfinden muss, was der Bewerber eigentlich will: Ich habe mich trotzdem durch die Gelatine gekämpft, bis mein Schreibtisch total eingesaut war. Einige Bewerber halten es auch für eine gute Idee, etwas zum Essen zu schicken: Zum Beispiel eine Pizza, wo dann auf dem Karton "Ich hoffe, es hat Ihnen geschmeckt steht, und die Nummer des Absenders für einen Rückruf. Eingepackte Plätzchen oder Gebäck sind zwar nett gemeint und sollen dafür sorgen, dass wir uns freuen. Aber im Endeffekt addieren Lebensmittel ja nichts außer - drastisch gesagt - Schleimspuren zur Bewerbung dazu. Im Gegenteil: Einmal hat uns jemand in der Osterzeit ein Paket aus Frankfurt geschickt. Bei etwa 20 Bewerbungen, die ich täglich bekomme, kann ich mir nicht jede gleich vornehmen. Das war hier der Fehler, denn das Paket war mit regionalen, verderblichen Fleisch- und Käsespezialitäten gefüllt. Als ich es nach den Osterfeiertagen dann aufgemacht habe, hat alles furchtbar gestunken, und ich hatte große Mühe, die Bewerbung zu Ende zu lesen. Mein Motto lautet: Weniger ist mehr. So halte ich es auch in den Bewerbungsgesprächen. Wichtig ist mir, dass die Bewerber authentisch auftreten, und ihre Qualifikationen sprechen lassen. Natürlich kommen manche auch über einen Knalleffekt zum Erfolg: Ein vielzitiertes Beispiel ist die Geschichte von einem ehemaligen Bewerber - mittlerweile erfolgreicher Kreativdirektor -, der sich originalgetreu als Pamela Anderson mit blonder Walla-Walla-Perücke verkleidet hat. Er wusste, dass Jean Rémy von Matt eine Schwäche für Blondinen hat, und hat am Schalter erfolgreich nach ihm verlangt. Den Job bekam er letztendlich, aber nicht nur aufgrund dieses Auftritts; entscheidend war vor allem der Eindruck, den er später in den Gesprächen gemacht hat. Im Anbahnungsgespräch erwarte ich, dass man mir Fragen zum Unternehmen und zu möglichen Perspektiven stellt, aber nicht unbedingt nach den Arbeitszeiten, wie das häufig der Fall ist. In der Werbebranche wird nun mal hohe Flexibilität, auch in punkto Arbeitszeiten verlangt, das ist ja bekannt. Nervosität seitens der Bewerber kann ich verstehen; schwierig wird es allerdings, wenn ihr Schweiß vor lauter Aufregung schon auf die Tischplatte tropft. Das kommt auch vor, und dann ist eine souveräne Gesprächsführung beinahe unmöglich. Ich bemühe mich immer, ein dezidiertes Feedback zu geben. Dazu gehört, dass ich bei Unsicherheit Kollegen frage, ob sie sich den Bewerber noch einmal anschauen wollen. In der Regel dauern Bewerbungsgespräche bei mir von einer bis zu anderthalb Stunden. Mein kürzestes war nach 10 Minuten vorbei, allerdings hat das die Bewerberin selbst abgebrochen. Sie hatte auch einen denkbar schlechten Einstieg erwischt: die Frage, was denn unser Firmenlogo in Form einer Giraffe bedeute. Zu wissen, dass es sich bei unserem Logo um ein Trojanisches Pferd handelt, und was das bedeutet, gehört aber zu dem Mindestmaß an Vorbereitung, das ich von jedem Bewerber erwarte." +++

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Illustration: Julia Schubert

Inka Wittmann +++ Illustration: Dirk Schmidt

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