Wie man sich nie bewerben sollte: Personalchefs packen aus. Heute: Greenpeace

Beim Bewerben, ganz wichtig, wollen wir den Personalchef beeindrucken. Mancher von uns schießt dabei arg übers Ziel raus: In unserer neuen jetzt.de-Kolumne erzählen Personalchefs von ihren Erlebnissen und sagen, auf was es beim Bewerben ankommt. +++ In Folge zwei erzählt Ingrid Meyer von Fotos, die zu Bewerbungszwecken an Äste gekettet wurden. Sie ist Personalleiterin bei Greenpeace in Hamburg.
florian-kaindl

Wir schauen natürlich auf die fachliche Qualifikation, aber auch darauf, ob die Bewerber politisch engagiert sind, ob sie sich auch in ihrer Freizeit für die Umsetzung von Ideen einsetzen. Das variiert je nach Jobangebot: Für eine Tätigkeit in der Buchhaltung erwarten wir nicht unbedingt ehrenamtliches oder politisches Engagement. Für Campaigner im umweltpolitischen Bereich ist es aber unerlässlich. Campaigner engagieren sich bei uns zu den Themen Wälder und Meere, Energie, Atomausstieg und Klima, Gentechnik, Nachhaltige Landwirtschaft und Chemie. Da Greenpeace international ausgerichtet ist, sollten die Bewerber Auslandserfahrung gesammelt haben. Geradlinigkeit im Lebenslauf ist für uns nicht ausschlaggebend. Wir schreiben den Bewerbern auch nicht vor, dass sie als Mitarbeiter von Greenpeace nicht mehr mit dem Auto fahren dürfen. Ihr Lebensstil sollte sich aber schon erkennbar an ihren Einsichten in die Umweltprobleme und an der Weltsicht der Organisation orientieren. Wir bekommen da immer wieder kreative Bewerbungen, fast schon kleine Kunstwerke zugeschickt: Eine Bewerberin für ein Praktikum, zum Beispiel, hat ihr Foto an den Ast eines Baums in freier Landschaft gekettet. Ein anderer Bewerber hat seine Unterlagen mit einem Deckblatt aus Holz eingeschickt, auf dem dann „Greenpeace“ eingeritzt war. Über solche individuellen Bewerbungen freue ich mich, weil eine gewisse Persönlichkeit dahinter erkennbar wird. Ein Schnellhefter aus Plastik wiederum hinterlässt bei uns keinen so guten Eindruck, weil dieser Materialverbrauch aus umweltpolitischer Sicht nicht notwendig ist. Grundsätzlich sind aber diese Dinge nicht entscheidend, sondern das Potenzial, das sich in den Gesprächen zeigt. Bei Greenpeace gibt es ein zweistufiges Bewerbungsverfahren: Im zweiten Teil werden die Kandidaten gebeten, eine zirka zehnminütige Präsentation zu einem bestimmten Thema zu entwerfen. Sie können dabei Powerpoint nutzen oder rein sprachliche Mittel, alles, was ihnen einfällt. Ich erinnere mich an einen Bewerber, der sich da besonders hervorgetan hat: Zum Thema Energiepolitik hat er einen kurzen Animationsfilm mit Lara Croft in der Hauptrolle vorgeführt, was zu einer spannenden kontroversen Diskussion führte. Bei rund 1.600 Bewerbungen pro Jahr für einen Verein mit 160 Mitarbeitern müssen wir zwangsläufig vielen Bewerbern absagen. Und aktuell müssen wir leider über Kürzungen im Personalbudget und über den Abbau von Stellen verhandeln, da die Spendeneinnahmen stagnieren, aber unsere Ausgaben steigen. Daher will ich nicht den Eindruck erwecken, es sei eine gute Idee, sich derzeit bei uns zu bewerben. Wir erhalten auch oft Bewerbungen von hochqualifizierten Menschen aus anderen Bereichen: Chefärzte zum Beispiel. Oder ein Universitätsprofessor, der aussteigen und etwas Neues versuchen will. Oft gehen auch die Gehaltsvorstellungen auseinander; dann wird das Gespräch zwangsläufig abgebrochen. Für alle Bewerber gilt aber auch nach einer Absage: Sie haben immer die Möglichkeit, bei Greenpeace ehrenamtlich mitzuarbeiten - sofern sie das wollen. +++

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Illustration: Julia Schubert

Ingrid Meyer (Foto: Linda Putzenhardt/Greenpeace) +++ Hier Teil eins der Kolumne: Die Personalleiterin einer Werbeagentur erzählt von Bewerbern, die als Pamela Anderson verkleidet den Weg ins Berufsleben suchten.

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