Wie man sich nie bewerben sollte: Personalchefs packen aus. Heute: MTV

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Ich habe nichts dagegen, wenn Bewerbungen kreativ und mit viel Liebe zum Detail gestaltet sind. Schwierig wird es aber, wenn sie kaum noch zur Tür hereinpassen: In Einzelfällen erzählen Bewerber für ein Praktikum auf einem riesigen, bunt geschmückten Pappkarton ihre ganze Lebensgeschichte anhand einer Fotocollage, und haben dazu noch Bilder von ihren bevorzugten Stars aufgeklebt. Einmal wurde uns sogar eine mehrere Meter lange Papierrolle zugeschickt - mit Fotos und Sprüchen versehen. Im ersten Moment weiß man dann nicht, wie man das wieder an den Absender zurückschicken soll. Demotapes kommen auch immer wieder hier an, leider vergeblich. Wie man es kreativ richtig machen kann, hat einmal ein Bewerber in einem selbstgezeichneten Comic demonstriert: Darin hat er als Ausbildungsplatzman um seine Ausbildung gekämpft. So etwas schaut man sich schon gerne an. Bei aller Kreativität muss die Bewerbung aber in erster Linie seriös und professionell aussehen. Und sich vor allem flüssig lesen lassen. Flüchtige Rechtschreibfehler und Begründungen wie „...meine Mutter schaut auch MTV“ machen sich da natürlich nicht gut. Grundsätzlich dienen die Unterlagen und auch das erste Bewerbungsgespräch zum reinen Sammeln und Überprüfen von Informationen. Wenn wir danach überzeugt sind, gehen wir einen Schritt weiter: Wir bitten Bewerber zum Beispiel darum, als Arbeitsprobe ein mögliches Konzept für eine neue Sendung zu entwerfen. Fachfremde Bewerber brauchen keine falsche Scheu haben. In unserem Unternehmen sind generell alle möglichen Quereinsteiger versammelt: von ehemaligen Friseurlehrlingen über Doktoranden bis hin zu Unternehmensberatern. Das liegt vor allem daran, dass sich das Fernsehen als Inhaltslieferant verschiedenen Plattformen anpassen muss - der Blick über den Tellerrand hinaus wird immer wichtiger. Auf diese Weise kann unsere Sendergruppe ein möglichst breit gefächertes Publikum ansprechen. Auch wenn skurrile Fälle wie die eingangs zitierten immer wieder vorkommen, muss ich betonen, dass ich noch nie ein Gespräch mit einem Bewerber habe abbrechen müssen. Ich beobachte nur regelmäßig, dass sich viele falsche Zwänge auferlegen: Ein Bewerber zum Beispiel, der meint, er müsse zum Vorstellungstermin extra im Anzug erscheinen, obwohl er sich darin nicht wohlfühlt und man ihm ansieht, dass er gehemmt ist deswegen. Es ist unnötig, wenn eine gute Gesprächsführung dadurch zunichte gemacht wird. Dann soll er lieber etwas Anderes anziehen - die Bewerber müssen sich ja auch entspannen können. Ich finde, sie dürfen ruhig einige Fragen stellen. Die meisten tun das in meinen Augen viel zu selten. Man könnte zum Beispiel wirklich mal fragen, was das eigentlich so für Leute sind, mit denen man arbeiten würde. Ob man selbst, von der Ausbildung her, hineinpasst in das Gefüge. Das zeigt schon mal Interesse und ist für mich eine absolut zulässige Frage. +++

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Illustration: Julia Schubert

Ulrike Heuser +++ Hier Teil eins der Personaler-Kolumne: Die Werbeagentur Hier Teil zwei der Personaler-Kolumne: Greenpeace Hier Teil drei der Personaler-Kolumne: Siemens

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