Polarnacht-Kolumne: Jahreswechsel in Lappland

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Woche 8
Temperatur: +1 bis -12°C
Schneehöhe: 40-50 cm
Stimmung: glücklich
Ski-Rekord: ca. 500 m ohne Hinfallen

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Illustration: Julia Schubert

Der Pfad hinunter zu Huskys


Diese Woche schreibe ich aus dem Exil. Während ich die Weihnachtstage in Deutschland verbrachte, war es in meinem Haus nämlich so kalt geworden, dass es die Wasserleitungen zersprengte. Nach meiner Rückkehr hatte ich also kein fließendes Wasser mehr. Dafür bot mir der Husky-Mann, der zwar auch keines hat, aber besser dafür eingerichtet ist, bis auf Weiteres Zuflucht. Er hatte gerade Besuch von seinem Sohn, der in einer anderen Stadt zur Schule geht, und lud mich ein, das neue Jahr mit ihnen zu begrüßen.

Für den Silvesterabend gibt es hier traditionell drei Alternativen:
1. Mit der Familie zu Hause rumsitzen, Truthahn essen, rausgehen und Feuerwerk gucken, dann schlafen gehen
2. Ausgehen und sich fürchterlich besaufen
3. In eine einsame Hütte fliehen und draußen ein gemütliches Lagerfeuer machen

Da wir uns ohnehin schon in einer semi-einsamen Hütte befanden, niemand von uns viel Alkohol trinkt, aber alle gerne zündeln, fiel unsere Wahl natürlich auf Variante 3. Für unseren perfekten Jahreswechsel brauchten wir also:

Ein Lager im Schnee

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Illustration: Julia Schubert

Unser Feuer

Am Silvestermittag legten wir eine Feuerstelle und einen großen Haufen Brennholz nicht weit vom Husky-Haus frei, und türmten den Schnee zu einer Mauer gegen fiese Winterwinde auf. Abends kamen wir wieder, ausgerüstet mit extrawarmen Sami-Schuhen aus Rentierfell, einem Ziehschlitten voll trockenem Holz und Rentierfellen zum Sitzen, einer Thermoskanne mit Tee und einem Rucksack voll Mandarinen.

Gute Gesellschaft

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Illustration: Julia Schubert

Junge, Husky und Mann, die Lichter der Stadt und etwas Feuerwerk im Hintergrund

Der Husky-Mann war Bau- und Exkursionsleiter, hackte Holz, zog den Schlitten und unterhielt mit seinen Geschichten. Sein Sohn ging ihm zur Hand, machte Feuer, wieselte herum, grub eine Schneehöhle und bewunderte das Feuerwerk, das ringsum über dem Meer und zwischen den Bäumen zu sehen war. Der Husky beäugte mißtrauisch die Böllerei, ertrug sie aber tapfer und bekam Zuwendung von allen Seiten. Ich kommentierte, dokumentierte, beeindruckte durch Ungeschicklichkeit und lag lachend im Schnee.

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Illustration: Julia Schubert

Das bin ich.

Erholung vom alten Jahr

Da die Läden sowieso geschlossen und alle Freunde und Bekannten mit ihren Familien beschäftigt waren, gab es keinen Anlass, die Zivilisation aufzusuchen. Bis auf die Jahreswechsel-Mitternacht schienen wir tagelang in einem zeitfreien Raum zu schweben. Es gab keine mahnenden Uhren, keine Termine, nur sporadischen Handy- und Email-Kontakt zur Außenwelt. Wir saßen am Feuer, genossen die Aussicht, zettelten Schneeballschlachten an, kamen zurück ins warme Haus, tranken Tee, lasen Bücher, spielten Kniffel, unterhielten uns lange, knuddelten den Husky, und verriegelten die Fenster, wenn es draußen stürmte.

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Illustration: Julia Schubert

Der zum Schlafen eingerollte Husky

Pläne für das neue Jahr

Auch in Norwegen ist es üblich, gute Vorsätze für das neue Jahr zu verkünden, die man dann nach spätestens einer Woche vergessen hat.

Das ist bei mir natürlich anders, denn ich werde ganz bestimmt:

- endlich richtig Skifahren lernen, wie sich das hier gehört
- den Husky-Mann zu einem Hundeschlittenrennen begleiten
- ein Schneehaus bauen
- einen Garten in der Mitternachtssonne haben
- mit der Lieblingsfranzösin die Lofoten erkunden
- im Herbst ganz viele Blaubeeren sammeln
- überhaupt sehr norwegisch sein

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Illustration: Julia Schubert

Schöne Aussichten

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