Bolsonaro will gendergerechte Inhalte aus Schulen verbannen

Der brasilianische Präsident ist schließlich stolz darauf, homophob zu sein.

Während der Präsidentschaftswahl war Bolsonaro noch angespannt, der Ausgang war ungewiss. Hier sieht man ihn wenige Stunden vor seinem Sieg.

Foto: AFP/Mauro Pimentel

Seit Anfang des Jahres regiert in Brasilien der ultrarechte Präsident Jair Bolsonaro. Dabei wurde spätestens im Wahlkampf klar, dass dem Land damit heftige Umbrüche bevorstehen. Schließlich ist Bolsonaro nicht nur für Folter und Tötung als Strafe für politische Gegner, sondern noch dazu extrem frauenfeindlich und homophob.

Letzteres wird sich laut Informationen der Associated Press nun wohl auch auf die Lehrpläne des Landes auswirken: Kurz nach Bolsonaros Wahl schaffte das Bildungsministerium seine Abteilung für „Diversity“ ab und veröffentlichte neue Richtlinien für Schulbuchverlage. Verweise auf die Themen Sexualität, LGBTQ, Feminismus sowie Gewalt gegen Frauen sollen demnach aus dem Unterricht verbannt werden.

In Bolsonaros Vorstellung würden gendergerechte und andere liberale Inhalte Schüler nämlich zu „politischen Militanten“ machen und Werte wie traditionelle Familienbilder, aber auch Religiosität und Patriotismus gefährden. Auch sein Bildungsminister Ricardo Velez Rodriguez schwor in seiner Rede zum Amtsantritt, „die aggressive Bewerbung der Gender-Ideologie zu beenden.“

„Die Regierung muss niemanden bilden, das muss die Gesellschaft selbst tun“

Bis wann und wie rigoros die Änderungen durchgesetzt werden sollen, ist noch nicht ganz klar. Allerdings ist offenbar geplant, dass das Militär einige öffentliche Schulen als Träger übernehmen wird. So will die Regierung entschieden gegen den bisher prägenden Einfluss des längst verstorbenen, aber immer noch berühmten brasilianischen Erziehers und Philosophen Paulo Freire vorgehen.

Als Sozialist kämpfte der nämlich für Bildung an staatlichen Schulen, die beispielsweise auch arme Menschen in ländlichen Gegenden unterrichteten. Bolsonaro dagegen scheint sich nun für ganz andere Ansichten begeistern zu können, zum Beispiel die des brasilianischen Philosophen Olavo de Carvalho, der auf seinem Youtubekanal unter anderem sagte: „Die Regierung muss niemanden bilden, das muss die Gesellschaft selbst tun.“ Carvalho ist generell für seine anti-globalen und anti-sozialistischen Ansichten bekannt.

Vor wenigen Tagen begann die Schule nach den Ferien wieder. Momentan merken diese Schülerinnen zwar noch nichts von den Vorhaben des Präsidenten, das könnte sich aber schon bald ändern.

Foto: Silvia Izquierdo / AP

Wenn Bolsonaro dessen Philsophie folgen sollte, könnte es in Zukunft also vielleicht keine oder zumindest deutlich weniger staatliche Schulen geben. Und das könnte verheerende Folgen auf die Bildung der Brasilianer haben: Wären die öffentliche Schulen beispielsweise im Jahr 2018 abgeschafft worden, hätten fast 40 Millionen Schüler keine Bildungsstätte mehr gehabt. Denn nur rund neun Millionen Schüler konnten sich in diesem Jahr den Besuch einer privaten Schule leisten.

lath/mit Material von AP