Hunderttausende Menschen haben beim „March for our lives“ in Washington demonstriert. Nicht nur dort. In mehr als 800 Städten weltweit gingen Menschen auf die Straße, um sich mit den Opfern des Parkland-Shootings zu solidarisieren. 17 Menschen wurden dort von einem 19-Jährigen erschossen, der sich sein halbautomatisches Gewehr völlig legal gekauft hatte.

Als Emma Gonzalez die Bühne betritt, wird es still auf der Pennsylvania Avenue. Die 17-Jährige ist eine Überlebende des Amoklaufs in Parkland. Sie ist in den vergangenen Wochen immer wieder aufgetreten, hat immer wieder betont, dass ihr Land schärfere Waffengesetze braucht. An diesem Samstag aber hält sie ihre wichtigste Rede:

„Sechs Minuten und ungefähr zwanzig Sekunden. In etwas mehr als sechs Minuten wurden uns 17 Freunde genommen. 15 wurden verletzt. Und jeder, wirklich jeder aus unserer Schulgemeinschaft hat sich für immer verändert. Jeder, der dabei war, weiß was ich meine. Jeder, der von der kalten Waffengewalt betroffen war, weiß, was ich meine.

Wir haben lange, tränenreiche, chaotische Stunden in der brütenden Nachmittagssonne verbracht, ohne zu wissen, was hier geschieht. Niemand kann sich vorstellen, was passiert ist. Niemand konnte glauben, dass mehr als einen Tag lang Leichen in unserem Schulgebäude lagen, die identifiziert werden mussten. Niemand wusste, dass die Vermissten aufgehört hatten zu atmen, lange bevor wir erfahren haben, dass die höchste Alarmstufe ausgerufen wurde. Niemand konnte die verheerenden Folgen absehen, konnte verstehen, wozu das alles führen würde.

Denjenigen, die sich immer noch weigern, das zu verstehen, sage ich, wo das hinführt: direkt unter die Erde, six feet under [amerikanischer Audruck für Beerdigungen].

Sechs Minuten und 20 Sekunden mit einer AR-15, und meine Freundin Carmen wird sich nie mehr bei mir über den Klavierunterricht beschweren. Aaron Feis wird Kira nie mehr „Miss Sunshine“ nennen. Alex Schachter wird nie mehr mit seinem Bruder Ryan zur Schule gehen. Scott Beigel wird nie mehr mit Cameron im Sommerlager rumalbern. Helena Ramsey wird nie mehr mit Max rumhängen. Gina Montalto wird nie mehr ihrem Freund Liam beim Mittagessen zuwinken. Joaquin Oliver wird nie mehr mit Sam oder Dylan Basketball spielen. Alaina Petty wird nie mehr... Cara Loughran wird nie mehr... Chris Hixon wird nie mehr... Luke Hoyer wird nie mehr... Martin Duque Anguiano wird nie mehr... Peter Wang wird nie mehr... Alyssa Alhadeff wird nie mehr... Jamie Guttenberg wird nie mehr... Meadow Pollack wird nie mehr...“

Dann verstummt Emma Gonzalez. Mehr als vier Minuten. Sie blickt entschlossen auf die Menschen vor sich, ein paar jubeln, ein paar rufen ihr aufmunternd zu. Dann piept eine Stoppuhr und Gonzalez spricht weiter:

„Seit ich auf die Bühne gekommen bin, sind sechs Minuten und 20 Sekunden vergangen. Der Amokläufer hat nun aufgehört, zu schießen. Er wird gleich sein Gewehr ablegen, sich unter die Schüler mischen, die aus dem Gebäude flüchten, und vor seiner Festnahme noch eine Stunde lang frei herumlaufen. Kämpft für euer Leben, bevor sich jemand anderes darum kümmern muss.“

Emma Gonzalez hat beim „March for our lives“ nicht nur ihre wichtigste Rede gehalten. Sie hat möglicherweise auch eine historische Rede gehalten. Eine, die am Ende vielleicht dazu beiträgt, dass die US-Regierung endlich die Waffengesetze in ihrem Land verschärft. 

jwh

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