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Foto: Screenshot Youtube

Wenn in den USA gewählt wird, ist das ein Spektakel: Da touren die Kandidaten und Kandidatinnen monatelang durchs ganze Land und werden manchmal gehypt wie Popstars. Millionen Menschen weltweit schauen dabei zu, schließlich werden zumindest die Höhepunkte des Wahlkampfs fast überall übertragen. Der zuletzt gewählte US-Präsident Trump hatte sogar Wähler und Wählerinnen, die ihre Häuser mit seinem Gesicht dekorierten oder Fans, die mit Trump-Songs durch die USA tourten.

Auf unserem Kontinent sieht das anders aus: Dass in genau drei Wochen die Europawahl stattfindet, wissen zwar einige – immerhin wurden sie vom Amt bereits über die Wahl informiert. So richtig interessiert ist aber kaum jemanden. Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage. Demnach kennt jeder oder jede zweite Deutsche keinen der neun Spitzenkandidaten und Spitzenkandidatinnen der im Bundestag vertretenen Parteien.

Die Satire-Partei „Die Partei“ hofft diesmal aber wohl auf mehr Euphorie. Mit einer „Europa-Show“ nach amerikanischem Vorbild eröffnen sie ihren Wahlkampf. „Wir haben mal so getan, als gäbe es Begeisterung statt Europawahl, europäischen Präsidentschaftswahlkampf statt irgendwas, das niemand versteht“, schrieb Spitzenkandidat Nico Semsrott an jetzt.

Die PARTEI präsentiert: SONNEBORN SEMSROTT - Für Europa reicht's

Aufgezeichnet wurde das Ganze Ende April mit etwa 800 Menschen in der Berliner Volksbühne – die offensichtlich gebrieft waren. Denn als Martin Sonneborn und Nico Semsrott im Video die Bühne betreten, rasten die Leute im Publikum aus. Sie jubeln und halten Plakate hoch. Dabei steht auf denen eher semibegeistert: „Besser als nix“ oder „Für Europa reicht’s“. In seiner Bewerbungsrede für den Posten als Präsident der Europäischen Kommission kritisiert Nico Semsrott dann dann noch einmal den Europawahlkampf: „Jede Klassensprecher-Wahl elektrisiert mehr Menschen als die Europawahl.“

Nach amerikanischem Vorbild wird in der Show dann alles vorgezeigt, für

das „Die Partei“ in den letzten Monaten und Jahren Aufmerksamkeit

bekommen hat: Plakate, Wahl-Spots und Reden, die Martin Sonneborn im

Europäischen Parlament gehalten hat.

Bei so viel Einsatz stellt sich – wie so oft, wenn es um die Satirepartei geht, die Frage: Wie ernst ist das jetzt gemeint? Ist das nur Humor oder doch Politik? Nico Semsrott sagt uns auf Nachfrage dazu: „Ein bisschen unfair, uns das zu fragen. Die FDP fragt ja auch niemand, ob sie ihre ‚Politik‘ ernst meinen.“ Auch in der Show fragt jemand aus dem Publikum, ob sich „Die Partei“ nun zu einer Partei mit ernsthaft politischem Anspruch entwickle. Die Antwort: „Wenn alle anderen Parteien Satire betreiben, bleibt einem ja gar nichts anderes mehr übrig, als mehr Inhalte und Positionen anzubieten.“

Ob Nico Semsrott und seine Parteigenossen von „Die Partei“ mit ihrem Video aber auch den Effekt erreichen, den sie sich erhoffen, muss man wohl abwarten. Allerdings scheint wenig wahrscheinlich, dass sich bis zum Wahltag am 26. Mai noch eine echte Wahleuphorie entwickeln wird – obwohl es der Demokratie natürlich zu wünschen wäre.

val