christian lindner heute damals cover
Foto: John MacDougall /AFP/ Screenshot Youtube

FDP-Chef Christian Lindner weiß, wie man mit knackigen Zitaten im Gespräch bleibt. Bereits mit 18 Jahren wollte er dem Fernsehzuschauer Probleme als „dornige Chancen“ verkaufen, der Satz steht mittlerweile stellvertretend für aalglatten Unternehmensberater-Sprech. Nach dem Scheitern der Jamaika-Koalitionsverhandlungen ließ er via Social Media mitteilen, „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren“ und ging damit in die Opposition. Seitdem wurde es stiller um Lindner – bis jetzt. Da hat sagte er nämlich der Bild am Sonntag im Interview zu den aktuellen Schülerstreiks für die Umwelt: „Klimaschutz ist was für Profis“. Und damit auch Leute, die nicht für die Bild bezahlen wollen, seine Ansichten nachlesen können, fasst er nochmal, ganz Medienprofi, auf Twitter zusammen:

Wie vermutlich von Lindner kalkuliert, verhallt diese Aussage nicht ungehört. Immerhin kritisiert er damit jene Tausenden Schüler, die derzeit die europaweit sehr schnell wachsende Protestbewegung „Fridays for Future“ antreiben, als eigentlich zu doof für den Job. Das sorgt für Gegenwind, nicht nur von der politischen Opposition:

Aber auch die Position der FDP selbst wird kritisert. Immerhin fiel diese bisher nicht als große Klimaschutz-Partei auf, Lindner selbst hatte Diesel-Fahrverbote bereits mit „Enteignung“ gleichgesetzt. 

Und auch Lindners Definition von Profis wird kritisiert. Immerhin ergänzt er zwar noch, damit keinesfalls nur Erwachsene zu meinen, sondern einfach Fachkräfte wie Ingenieure und Wissenschaftler. Was junge Menschen aber doch meist ausschließt. Manche weisen auch darauf hin, dass jene Wissenschaftler ja mittlerweile die Klimaproteste offen unterstützen würden – wie übrigens auch viele Eltern und Lehrer.

Aber auch, dass Lindner jungen Menschen das Denken in größeren Zusammenhängen abspricht, macht viele fassungslos. Gerade, wenn man Linders eigene Vergangenheit bedenkt:

Zumindest eine Gruppierung zeigt sich bisher unbeeindruckt von den Äußerungen des FDP-Chefs: die Schüler. Vielleicht, weil sie Wichtigeres zu tun haben – für den 15. März haben sie weltweit zum Klimaprotest aufgerufen. Es wird erwartet, dass sich global Millionen Teenager anschließen.

chha