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Foto: Tobias Schwarz / AFP

Dass sich der Weltkonzern der Forderung „Fuck Off Google“ beugen würde, hat die Aktivistinnen wohl selbst überrascht. Am Mittwoch hat Google das Ende seiner Pläne zur Einrichtung einer Start-Up-Schmiede namens „Google-Campus“ in der Kreuzberger Ohlauer Straße verkündet. Spontan fanden sich daraufhin am Mittwochabend 30 bis 40 Aktivistinnen am geplanten Standort ein, um gemeinsam mit Sekt ihren Erfolg zu feiern. 

Vorausgegangen war eine Vielzahl von Protesten durch Anwohner und Initiativen, im September unter anderem in Form einer Besetzung des ehemaligen Umspannwerks, das als Standort für den Campus dienen sollte. Die wurde damals allerdings schon nach zwei Stunden geräumt. Ein Einknicken des übermächtigen Konzerns war damals noch kaum vorstellbar.

„Wir hatten uns noch auf einen langen Protest eingestellt und freuen uns jetzt über diese weitaus sinnvollere Nutzung des Gebäudes“, hieß es auf der Facebook-Seite des Bündnisses Zwangsräumung verhindern, das die Aktionen gegen den Google Campus unterstützt hatte. 

In das Umspannwerk sollen nun die Spendenplattform Betterplace und die Sozialgenossenschaft Karuna einziehen, geplant ist „ein Haus für soziales Engagement“. Google bleibt aber weiterhin Mieter der Flächen. Gegenüber der taz sagte Google-Sprecher Ralf Bremer, dass man erkannt habe, dass Kreuzberg „nicht der richtige Ort für einen reinen Startup-Campus“ sei.

Dass diese Erkenntnis allein eine Folge der Proteste sei, stritt Google-Mitarbeiter Rowan Barnett bei einer Pressekonferenz am Mittwoch aber ab: „Natürlich haben wir auch die Proteste wahrgenommen“, sagte Barnett, der für Googles Start-Up-Pläne in Deutschland zuständig ist. „Aber wir lassen uns die Aktivitäten nie von einer bestimmten Art von Protest diktieren.“ Die Schlüssel zum Umspannwerk hatte er bereits am Mittwochmorgen an Betterplace und Karuna übergeben.

Karuna-Geschäftsführer Jörg Richert wäre eine Nachbarschaft mit dem Großkonzern allerdings lieber gewesen: „Ich fände es viel charmanter, wenn wir hier mit Google einziehen würden.“ Die Verantwortlichen von Betterplace wiederum hatten gegenüber Google bereits im Vorfeld ihre Zweifel an der Nutzung des Umspannwerks als Startup-Schmiede geäußert, waren von deren plötzlichem Total-Umschwenken aber eher überrascht: „Dass es in eine so konsequente Richtung geht, ist für uns ein großes Geschenk“, sagte deren Sprecherin gegenüber der taz

Sind nun also alle glücklich und zufrieden? Nicht ganz: Die Anti-Google-Aktivistinnen wollen ihre Aktionen trotz aller Freude über die Absage fortsetzen:„Google ist und bleibt ein Scheiß-Konzern, der seine Gewinne mit Überwachung, Ausschnüffelei, Zusammenarbeit mit Militär und Geheimdiensten sowie Steuertricks macht. Wir werden Google & Co weiter angreifen und gleichzeitig Alternativen zu Google-Produkten breiter bekanntmachen“, sagte Ulrike Schneider, Aktivistin beim Initiativkreis Google Campus & Co verhindern! laut einer Pressemitteilung. Auch die fortschreitende Gentrifizierung Kreuzbergs dürfte allein mit Googles Einlenken wohl kaum beendet sein.

Überhaupt keine Freude regte sich unterdessen CDU und FDP. Während Grüne und SPD die Entscheidung als positives Signal werteten, sprach CDU-Wirtschaftsexperte Christian Gräff von einem „schmerzhaften Tiefschlag“. FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja nannte den Schritt von Google eine „schöngeredete Resignation“.

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