Das Zentrum für politische Schönheit hat ein Mahnmal neben Björn Höckes Haus gebaut

Außerdem sollen sie den AfD-Politiker überwacht haben – und drohen mit pikanten Enthüllungen.
Foto: Patryk Witt / Zentrum für Politische Schönheit

24 Betonstelen stehen seit heute öffentlich einsehbar im Nachbargarten des rechtsradikalen AfD-Politikers Björn Höcke in Bornhagen, Thüringen. Gebaut wurde die Kopie des Berliner Holocaust-Mahnmals von dem für öffentliche Polit-Kunst bekannten „Zentrum für politische Schönheit“. Die Künstler haben das Grundstück nach eigenen Angaben bereits seit zehn Monaten gemietet, zum einen zum heimlichen Bau der Stelen, zum anderen, um Höcke im Namen eines „zivilgesellschaftlichen Verfassungsschutzes“ zu oberservieren. Von Höcke, der in Reden das Berliner Mahnmal als „Denkmal der Schande“ bezeichnet und eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert hatte, fordern sie nun eine Geste der Läuterung.

„Wenn er vor dem Denkmal auf die Knie fällt und für die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg um Vergebung bittet, wollen wir der Ernsthaftigkeit seiner Läuterung glauben“, sagte der Kopf des Zentrums,  Philipp Ruch, gegenüber dem Spiegel. Ansonsten plane man, belastbare Details aus Höckes Leben zu veröffentlichen, die man während der Observationen angesammelt hätte. „Wir würden das aber alles schreddern, sollte er seine Schuld bekennen“, erklärte ein Sprecher der Gruppe namens Jochen gegenüber jetzt.

Auf einer eigens erstellten Website rufen die Künstler außerdem zu finanzieller Unterstützung auf. Mit dem Crowdfunding-Ziel von 28.000 Euro wolle man für die Erhaltung des Denkmals bis mindestens 2019 sorgen. Belohnungen für Spender sind unter anderem ein Bornhagen-Audioguide, gesprochen von Shahak Shapira, oder – und hier wird es wieder bewusst provokativ – eine Axt von Björn Höcke.

Außerdem kann man sich laut Website auch selbst am „zivilgesellschaftlichen Verfassungsschutz“ beteiligen und Höcke vor Ort überwachen. „Da wird sich bis 2019 auf jeden Fall ein Wochenende in Thüringen für jeden Interessierten finden", sagte der Sprecher.

Die juristisch wohl eher grenzwertigen Überwachungsmaßnahmen rechtfertigt die Gruppe mit dem angeblichen Versagen des Thüringer Verfassungsschutzes. Sprecher Jochen: „Wir versuchen nur vorzuführen, was der Verfassungsschutz verpasst hat. Die Personenüberwachung in Thüringen wurde eingestellt – obwohl gerade dort wichtige Rechtsradikale wie Höcke, Götz Kubitschek und Thorsten Heise wohnen. Wir wollen eigentlich nur zeigen, wie man's richtig macht.“ Man habe außerdem dafür gesorgt, dass sich die Überwachung in einem „völlig legalen Rahmen“ abspiele.

Philipp Ruch geht noch weiter: „Gegen Nazis wenden wir nur Nazi-Methoden an."  Kunst müsse wehtun, reizen, Widerstand leisten. Ruch nennt das „aggressiven Humanismus“.

Hier geht es zum Livestream vor Ort.

qli

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